Zum Internationalen Frauentag* am 8. März 2026 feiern wir sechs inspirierende Persönlichkeiten aus unserer Urban Sports Club Community, die zeigen, wie Sport inklusiver sein kann. Ob beim Tanzen, Laufen, Coaching, zyklusbasiertem Training oder Performance-Training – sie gestalten Trainingsräume für Leistung, Gemeinschaft und echte Selbstbestimmung.
*Anlässlich des Internationalen Frauentags sprechen wir die gesamte FLINTA*-Community (Frauen, Lesben, Intersexuelle, nichtbinäre, trans und agender Personen) an.
Stark, vernetzt, sichtbar: Wie Britta mit HERSPACE Frauen wachsen lässt
In einer eher männlich geprägten Welt wollte Britta Degenkolbe einen Raum schaffen, in dem Frauen gesehen werden – in ihrer Zyklik, ihren Stärken und ihrem Mut. Bei HERSPACE treffen Box- und Bootcamp-Klassen auf Sound Baths, Yoga auf Community-Events – ein Ort, an dem körperliche Stärke und innere Power zusammenkommen.


Britta, wie ist die Idee zu HERSPACE entstanden?
“HERSPACE entstand aus dem Wunsch, Frauen in einer von Männern geprägten Welt sichtbarer zu machen und ihnen faire Strukturen zu bieten. Frauen tragen viel Verantwortung, bekommen aber nicht immer die gleichen Voraussetzungen oder Fairness. Ein zentraler Punkt ist unsere Zyklik. Wir durchlaufen jeden Monat unterschiedliche Energiephasen – trotzdem wird erwartet, konstant gleich zu performen. Das wirkt sich nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden aus, sondern auch auf berufliche Chancen und langfristige Perspektiven.
Ich wollte einen Raum schaffen, der jede Phase unterstützt: Regeneration im Sound Bath, Auspowern im Boxen oder Bootcamp, plus Community-Events und Panel Talks mit Aktivistinnen und Expertinnen zu Frauengesundheit.”
HERSPACE steht für Stärke, Verbindung und Balance. Was bedeutet Stärke bei euch?
„Stärke bedeutet für uns mehr als körperliche Kraft. Natürlich geht es auch darum, Muskeln aufzubauen und sich auszupowern – aber das ist nur eine Ebene. Wichtiger ist die innere Stärke von Frauen: Leben schenken, Verantwortung tragen, beruflich bestehen und dabei emotional präsent bleiben – all das zeigt enorme Belastbarkeit. Trotzdem hören wir oft: ‚Ich kann das nicht so gut.”
“Stärke bedeutet mehr als körperliche Kraft.”
“Stärke heißt für uns, diese innere Kraft zu erkennen, sich selbst mehr zuzutrauen und die eigene Kompetenz nicht kleinzureden. Deshalb integrieren wir Empowerment direkt ins Training – nicht als Zusatz, sondern als Bestandteil.”

Gibt es eine Begegnung oder Rückmeldung aus der Community, die dir besonders gezeigt hat, warum HERSPACE so wichtig ist?
„Ja, mehrere. Besonders berührt haben mich Rückmeldungen von Frauen mit Endometriose, PCOS oder anderen hormonellen Erkrankungen. Viele fühlten sich in klassischen Studios nie verstanden – ihr Körper funktioniert anders, ihre Energie ist nicht konstant, und trotzdem werden sie an linearen Leistungsmaßstäben gemessen. Ich selbst lebe mit Endometriose und weiß, wie wichtig es ist, einen Ort zu haben, an dem man nicht erklären muss, warum man heute weniger leisten kann – oder morgen wieder Vollgas gibt.”
“Ich weiß, wie wichtig es ist, einen Ort zu haben, an dem man sich nicht erklären muss.”
“Ein anderes Erlebnis: Eine Teilnehmerin, die seit über zehn Jahren Yoga praktizierte, kam nach einer Fight-Club-Class zu mir und sagte, sie hätte nie gedacht, dass sie einmal fürs Boxen brennen würde. Genau das ist HERSPACE. Nicht nur Pilates, Strength oder Yoga. Verschiedene Formate treffen auf unterschiedliche Menschen.”


Welche Herausforderungen sind dir beim Aufbau von HERSPACE begegnet – und wie hast du sie gemeistert?
„Eine der größten Herausforderungen ist der innere und äußere Wertekonflikt. Als wertebasiertes Unternehmen wird man an seinen Prinzipien gemessen – gleichzeitig gibt es wirtschaftliche Realitäten. Wir verstehen, dass Frauen nicht jeden Tag gleich leistungsfähig sind, doch jede kurzfristige Absage wirtschaftlich aufzufangen, würde langfristig Miete, Team und Qualität gefährden. Deshalb bieten wir Alternativen: Meditation, Sound Bath oder ruhigere Formate – der Raum bleibt nutzbar, nur anders. Ich habe gelernt: Werte bedeuten nicht, es allen recht zu machen, sondern eine klare Linie zu haben – auch wenn sie unbequem ist.”
“Werte bedeuten nicht, es allen recht zu machen, sondern eine klare Linie zu haben.”
Welche Frauen inspirieren dich?
„Mich inspirieren Frauen, die den Mut haben, Raum einzunehmen – besonders dort, wo es unbequem ist. Luisa Neubauer für ihre politische Debattenkultur. Gisèle Pelicot dafür, wie sie öffentlich für Würde und Gerechtigkeit einsteht. Uschi Obermaier für radikale Selbstbestimmung. Und Astrid Lindgren mit den Worten: ‘Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.’ Für mich ist das keine romantische Floskel, sondern eine Erinnerung daran, sich nicht anpassen zu müssen, um akzeptiert zu werden.”
Therapeutisches Hüftwackeln: Wie Maïmouna durch Tanz ihre Stärke zurückgewann
Als Worte nicht ausreichten, wandte sich die französisch-malische Tänzerin Maïmouna Coulibaly dem Tanz zu, um ihre Emotionen zu verarbeiten. Was als persönliche Praxis von Bewegung und Ausdruck begann, entwickelte sich mit der Zeit zu einer Methode, die sie heute weltweit unterrichtet. Mit ihrer Methode Booty Therapy unterstützt sie Frauen und marginalisierte Geschlechter dabei, ihren Körper zurückzuerobern, Spannungen zu lösen und durch Tanz neue Kraft zu finden.


Maïmouna, welche Rolle spielte Tanz in deiner frühen Kindheit?
„Tanz war für mich nicht einfach nur eine Aktivität – er bedeutete Überleben. Ich bin in Frankreich geboren, habe aber einen Teil meiner frühen Kindheit in Mali verbracht. Als ich mit vier Jahren zurück nach Frankreich kam, konnte ich kein Französisch mehr. Bewegung wurde zu meiner Sprache. Noch bevor ich Worte hatte, habe ich über meinen Körper kommuniziert – über Beobachtung und Emotionen. Durch den Tanz konnte ich Traumata verarbeiten, ganz bei mir sein und ausdrücken, was ich nicht in Worte fassen konnte. Mehr als 30 Jahre später ist er immer noch meine ehrlichste Form, mich auszudrücken.“
„Tanz war für mich nicht einfach nur eine Aktivität – er bedeutete Überleben.“
Wie würdest du Booty Therapy definieren – und was unterscheidet sie von anderen Tanz- oder Fitnessformaten?
„Booty Therapy ist eine Methode, die ich über mehr als 30 Jahre entwickelt habe. Sie verbindet Tanz, intensives Cardio, Theater und Persönlichkeitsarbeit. Körperlich ist sie ziemlich fordernd – wir kommen ins Schwitzen, bauen Ausdauer auf und kräftigen unsere Muskeln, besonders im Core und im Unterkörper. Der entscheidende Unterschied ist aber: Bei uns führt die Emotion die Bewegung, nicht die Ästhetik. Wir arbeiten nicht gegen unseren Körper, sondern über das Loslassen. Wenn sich Stress und emotionale Spannungen lösen, wird der Körper ganz von selbst stärker und findet mehr in seine Balance.“
„Bei Booty Therapy führt die Emotion die Bewegung – nicht die Ästhetik.“
„Der Community-Aspekt ist zentral. Der Raum ist bewusst für Frauen und marginalisierte Geschlechter gedacht. Hier können sich Teilnehmende frei bewegen und in einem unterstützenden, empowernden Umfeld wieder eine Verbindung zu ihrem Körper aufbauen. Heute wird Booty Therapy in 21 Ländern unterrichtet – mit ausgebildeten Trainer:innen in Berlin und weit darüber hinaus.“

Bewegungen von Hüfte und Becken werden oft sexualisiert oder bewertet – wie wirkt sich das aus und welche Rolle spielt Booty Therapy dabei?
„Viele Mädchen lernen schon früh, sich für ihre Hüften oder ihr Gesäß zu schämen. Dabei sind die Gesäßmuskeln anatomisch essenziell – ohne sie könnten wir weder gehen noch stehen oder sitzen. Die Sexualisierung entsteht oft durch den Blick von außen. In unserer Praxis holen wir uns diese Bewegungen bewusst zurück. Das Bewegen des Beckens hat nichts damit zu tun, für andere zu performen. Es geht vielmehr darum, sich wieder mit dem eigenen emotionalen Zentrum zu verbinden, Erdung zu finden und ein Gefühl von Selbstbestimmung zu entwickeln.“
„In vielen afrikanischen Tanztraditionen ist die Bewegung des Beckens etwas Kollektives und Freudvolles – nicht automatisch sexualisiert. Wenn wir diese Perspektive einnehmen, verändert sich auch die Beziehung von Frauen und marginalisierten Geschlechtern zu ihrem Körper: weg von Scham, hin zu Stärke.“
„Das Bewegen des Beckens kann ein Weg sein, sich wieder mit dem eigenen emotionalen Zentrum zu verbinden.“
Wann hast du begonnen, das Becken als mehr als nur etwas Körperliches wahrzunehmen?
„Mit 16 kam ich zum ersten Mal mit kongolesischen Gesellschaftstänzen wie Ndombolo in Berührung. Dort bewegen alle ihr Becken – Männer, Frauen, Kinder – ganz selbstverständlich und ohne Scham. Für mich war das eine Offenbarung. Nach schwierigen Erfahrungen in meiner frühen Kindheit half mir die Rückverbindung zu diesem Teil meines Körpers, Kraft und Selbstvertrauen neu aufzubauen. Was als bloßes Erlernen einer Tanztechnik begann, entwickelte sich zu einer lebenslangen Auseinandersetzung mit Verkörperung. Heute, mit 50, unterrichte ich diese Methode an Menschen zwischen 3 und 70 Jahren – und ich erlebe immer wieder, wie transformierend sie sein kann.“


Welche Menschen haben deinen Weg am stärksten geprägt?
„Autor:innen wie Toni Morrison haben mich tief geprägt – sie hat mir gezeigt, dass der Körper Geschichte trägt und dass Erzählen eine Form des Widerstands sein kann. Am meisten beeinflusst haben mich jedoch die Teilnehmenden meiner Kurse. Durch sie habe ich gelernt, dass es sowohl eine künstlerische als auch eine gesellschaftliche Verantwortung ist, einen sicheren und bewusst gestalteten Raum zu schaffen.“
Joy Run Collective: Wie Huyền sichere Räume für Läufer:innen schafft
Als Thị Minh Huyền Nguyễn von New York nach Berlin zurückkam, bemerkte sie, dass Frauen – besonders Frauen of Color – in leitenden Rollen in Laufgruppen kaum vertreten waren. Aus dem persönlichen Wunsch, einen inklusiveren Raum zu schaffen, entwickelte sich nach und nach das Joy Run Collective: eine Community, die Laufen, Empowerment und Zusammenhalt verbindet. Hier können vor allem Frauen und FLINTA*-Läufer:innen trainieren, sich austauschen und selbstbewusst auftreten – beim Laufen und darüber hinaus.


Huyền, was hat dich inspiriert, Joy Run Collective zu gründen?
„Als ich 2015 mit dem Laufen begann und mehr über internationale Laufgruppen lernte, habe ich kaum Frauen gesehen – und noch weniger Gründerinnen, Trainerinnen oder Captains. Nach meiner Rückkehr aus New York 2018 wusste ich: Ich will selbst ein Projekt starten, das mehr Frauen of Color ermutigt, diesen Sport für sich zu entdecken.“
“Ich habe in Laufgruppen kaum Frauen gesehen – und noch weniger Gründerinnen, Trainerinnen oder Captains.”
„Vor Joy Run Collective gab es das Wayv Run Kollektiv, das ich mit dem Künstler Daniel Marin Medina gegründet habe. Ziel war, Laufen inklusiver und sicherer für queere Menschen und People of Color zu gestalten. Joy, das 2022 startete, fühlt sich wie eine Weiterentwicklung an – mit einem stärkeren Fokus auf Frauen- und FLINTA*-Empowerment. Ich sehe Joy als kollektives Projekt: Ohne die Arbeit, Liebe und Fürsorge unserer Leader:innen und Captains wäre das alles nicht möglich.“

„Joy“ steckt in eurem Namen – was bedeutet Freude für dich beim Laufen?
„Ich habe in New York gelebt – dem globalen Epizentrum der urbanen Run-Crew-Kultur – und bin für Wettkämpfe und Lauf-Events viel gereist. Ich habe Läufer:innen aller Level getroffen, von Elite bis Hobby. Was uns verbindet, ist die Liebe zum Sport, zur Community und die Freude, die Laufen uns schenken kann. So sehr wir Bestzeiten jagen oder uns steigern wollen – am Ende geht es darum, Spaß zu haben. Das möchte ich in meiner Community teilen. Trainiere hart, wenn du willst – aber vergiss nie, die Freude zu bewahren.“
„Joy bedeutet nicht nur schnell zu laufen – es geht um Spaß, Community und Leichtigkeit.“
Wie würdest du die Community beschreiben, die ihr mit Joy Run Collective aufbaut?
„Wir sind eine ganz besondere Lauf-Community. Neben dem Laufen treffen wir uns auf einen Kaffee oder Brunch nach dem Training, besuchen Ausstellungen und Partys, diskutieren Politik oder gehen gemeinsam auf Demos. Wir geben einander Raum, feiern und trauern zusammen – beim Laufen und darüber hinaus.“


Laufen ist oft mit Leistung und Wettbewerb verbunden – wie geht ihr damit um?
„Performance und Wettbewerb sind nicht per se negativ. Ich möchte in unserer Gruppe Ehrgeiz fördern, aber gesund und selbstbewusst. Frauen und alle in unserer Community sollen groß träumen, ihre Ziele verfolgen und sich nicht zurückhalten. Ich hoffe, dass sie durch Joy so gestärkt werden, dass sie beim Start eines Rennens selbstbewusst Raum einnehmen – Laufen wird so zum Tool, um sich selbst stärker und selbstsicherer zu fühlen.“
„Ich möchte, dass Frauen Raum einnehmen – beim Laufen und darüber hinaus.“
Welche Frauen haben dich geprägt, und was hast du von ihnen gelernt?
„So viele Frauen haben meine Reise geprägt: die Beharrlichkeit meiner Mutter, die Unterstützung meiner Gastmutter in den USA, meine Freundinnen in NYC, die zu Familie wurden, und all die inspirierenden Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Athlet:innen um mich herum – alle echte Change-Maker:innen.“
She Can Do It All: Wie Hermione die Regeln für Trainer:innen neu schreibt
Die Fitness- und Coachingbranche ist oft stark von Leistung und Wettbewerb geprägt. Doch genau dort hat Hermione Plumptre etwas vermisst: einen Raum für echten Austausch und gegenseitige Unterstützung zwischen Trainer:innen. Als Athletin und Coach erlebte sie selbst den Druck, ständig funktionieren zu müssen – Leistung bringen, lächeln und sich immer wieder beweisen. Statt sich damit abzufinden, gründete sie She Can Do It All – die erste Female Coaches Empowerment Union. Ihr Ziel: einen Raum für Mentoring, Zusammenarbeit und echte gegenseitige Stärkung zu schaffen.


Hermione, was hat dich dazu inspiriert, die erste Female Coaches Empowerment Union zu gründen?
„Ich habe angefangen, genauer hinzuschauen, was in der Fitnessbranche – besonders für Trainerinnen wie mich – nicht funktioniert. Allein schon eine Frau zu sein bringt in manchen Räumen bestimmte Erwartungen und Narrative mit sich, die einfach nicht stimmen. Viele Frauen kennen wahrscheinlich dieses Gefühl: Man betritt ein Gym oder ein Studio und hat sofort das Gefühl, bewertet oder auf eine Weise betrachtet zu werden, die sich nicht gut anfühlt – auch wenn niemand offen darüber spricht. Diese unausgesprochene Dynamik kann Frauen davon abhalten, solche Orte überhaupt zu betreten.
Ich habe diese Energie selbst erlebt – bei der Arbeit und auf der Laufbahn. Zwischen Studios, Coaches und Marken herrschte oft Konkurrenz. Statt Austausch oder Mentoring entstand eher Distanz oder sogar Feindseligkeit. Ich habe Dynamiken zwischen Coaches und auch zwischen Coaches und Klient:innen gesehen, die nicht widerspiegeln, wie kraftvoll Frauen sein können, wenn sie sich wirklich gegenseitig unterstützen. Also habe ich beschlossen, etwas zu verändern – und so entstand She Can Do It All.“
„Ich habe gesehen, was fehlt – also habe ich beschlossen, es selbst aufzubauen.“
*An dieser Stelle möchte ich meiner aktuellen Co-Founderin Aleks Kops und meiner früheren Mitgründerin Shailan Dabbag-Wilhelm danken. Ohne diese Frauen an meiner Seite wäre die Gründung von She Can Do It All nicht möglich gewesen.
Als Athletin und Coach: Mit welchen Herausforderungen sind Frauen im Leistungssport und Coaching heute konfrontiert?
„Der Druck ist enorm: immer Leistung bringen, immer lächeln, immer funktionieren. Ich habe Momente erlebt, in denen mir gesagt wurde: ‘Mach einfach deinen Job’ oder ‘Dafür trainierst du doch.’ Aber so einfach ist es nicht. Energielevel verändern sich – durch unseren Zyklus, durch Schlaf, durch Trainingsintensität oder durch den mentalen Druck vor wichtigen Wettkämpfen. An schwierigen Tagen gezwungen zu sein, etwas zu leisten, wozu man gerade nicht fähig ist, kann extrem erschöpfend sein.“

„Eine weitere große Herausforderung ist, wirklich gehört und als Expert:in respektiert zu werden – unabhängig vom Geschlecht. Egal wie erfahren oder kompetent eine Trainer:in oder Athlet:in ist, ihre Leistung wird noch immer oft mit ihrem Aussehen verknüpft.“
„Selbst bei Weltklasse-Ergebnissen wird die Kompetenz von Frauen noch immer mit ihrem Erscheinungsbild verbunden.“
Deine Initiative „She Can Do It All“ feiert das Potenzial von Frauen – gleichzeitig kann dieser Satz auch Druck erzeugen. Wie gehst du damit um?
„Für mich ist der Satz weniger wörtlich gemeint. Es geht nicht darum, alles gleichzeitig perfekt zu machen. Es geht darum, anderen Frauen das Gefühl zu geben, gesehen zu werden – und ihnen zu zeigen, dass sie alles erreichen können, was sie sich wirklich vornehmen. Und ‚all‘ bedeutet auch: Ruhe. Regeneration. Sanftheit. Balance. Eine Frau kann stark und gleichzeitig weich sein. Sie kann Krafttraining coachen und danach zu einem Sound Bath gehen. Es geht um Erlaubnis – nicht um Druck.“


Wenn Frauen eine Haltung oder Lektion aus deiner Arbeit mitnehmen könnten – welche wäre das?
„Dass du die Fähigkeit hast, den Lebensweg einer anderen Frau zu verändern – einfach indem du dafür sorgst, dass sie sich gesehen und sicher fühlt. Lies das noch einmal. Lächle. Und dann geh hinaus und tu genau das.“
„Du kannst den Lebensweg einer anderen Frau verändern, indem du ihr das Gefühl gibst, gesehen zu werden.“
Welche Frauen oder Menschen haben deinen Weg besonders geprägt?
„Ich hatte großes Glück, von starken Frauen begleitet zu werden. Meine Mutter hat mir beigebracht, mit Liebe zu führen und – wie sie sagt – eine ‚Lebensspenderin‘ zu sein. Dieser Gedanke begleitet mich bis heute.
Alex Hipwell hat mir Selbstvertrauen als Coach gegeben. In einer Phase, in der ich an mir selbst und an meiner Arbeit mit She Can Do It All gezweifelt habe, sagte sie etwas sehr Einfaches, aber Kraftvolles: ‚Du weißt, dass du das alles auch alleine schaffen kannst.‘ Sie hat an mich geglaubt – also warum habe ich es selbst nicht getan? Seitdem stelle ich mich nicht mehr auf die gleiche Weise infrage. Mehr als einmal hat Alex einen sicheren Raum geschaffen, in dem ich offen sprechen konnte – an guten Tagen und an schwierigen. Diese Erfahrung hat etwas in mir verändert. Sie hat in mir den Wunsch geweckt, genau diesen Raum auch für die nächste Generation von Fitness- und Wellness-Profis zu schaffen. In vielerlei Hinsicht war das der Moment, in dem sich der Kreis geschlossen hat – und aus dem schließlich She Can Do It All entstanden ist.“
SheForce: Wenn Frauen bewusst trainieren, folgt die Leistung
Was passiert, wenn zwei ambitionierte Frauen beim Sport aufeinandertreffen und dieselbe Motivation in sich entdecken? Für Günce Öztürk & Luna Alrawas, die Gründerinnen von SheForce, war das der Beginn von etwas Größerem als Wettbewerb. Aus gemeinsamen HYROX-Zielen entstand eine Community, in der Frauen in einem klar strukturierten und respektvollen Umfeld trainieren.

Günce und Luna, was hat euch inspiriert, SheForce zu gründen?
„SheForce begann eigentlich mit uns. Wir haben uns beim Sport kennengelernt und schnell gemerkt, wie sehr wir uns gegenseitig pushen. Wir meldeten uns beide unabhängig voneinander zu unseren ersten HYROX-Wettkämpfen an – aber mit exakt demselben Mindset. Dieses gemeinsame Ziel hat uns auf ein neues Level gebracht.
Zu sehen, dass eine andere Frau dieselben Ansprüche, dieselbe Disziplin und denselben Ehrgeiz hat, hat uns auch noch einmal anders motiviert und unsere Performance gesteigert – und genau daraus ist SheForce entstanden.“
„Eine andere Frau zu sehen, die denselben Ehrgeiz und dieselben Ansprüche hat, steigert deine eigene Performance.“
Wie würdet ihr die Trainingsumgebung beschreiben, die ihr schaffen wollt?
„Wir möchten einen Raum schaffen, der strukturiert, leistungsorientiert und respektvoll ist. Kein Hype, kein Druck – sondern smartes Training mit hohen Standards. Bei unseren Events ist die Energie fokussiert, aber immer unterstützend. Vergleich spielt hier keine Rolle, stattdessen motiviert man sich gegenseitig. Ambitioniert zu sein fühlt sich normal an – nicht einschüchternd.“


Warum ist frauenspezifisches Leistungstraining gerade jetzt so wichtig?
„Frauen trainieren heute ernster denn je, aber viele Trainingsprogramme berücksichtigen sie nicht ausreichend. Studien zeigen: Frauen sind oft perfekt für langanhaltende, intensive Belastungen geeignet und haben starke Ausdauer. Trotzdem lernen viele nur, hart zu trainieren – nicht aber, wie sie ihre Trainingspläne clever strukturieren, Regeneration einbauen oder ihren Körper wirklich verstehen. Wissen macht aus Anstrengung Strategie – und Strategie stärkt das Selbstvertrauen.“
“Wissen macht aus Anstrengung Strategie – und Strategie stärkt das Selbstvertrauen.”
Welche Frauen haben euer Verständnis von Stärke und Community geprägt?
„Die Frauen, die wir jede Woche coachen, inspirieren uns am meisten: nach der Schwangerschaft, nach Verletzungen, zwischen Job und Training. Körperliche Veränderungen und Lebensphasen machen Kontinuität oft herausfordernd – genau deshalb ist regelmäßiges Training so kraftvoll. Wahre Stärke ist nicht laut, sie ist beständig.“
“Wahre Stärke ist nicht laut, sie ist beständig.”
Was verändert sich, wenn Frauen zusammen trainieren?
„Das größte Plus ist Selbstvertrauen, das daraus entsteht, gesehen und verstanden zu werden. Wenn Frauen gemeinsam trainieren, erkennen sie ihre eigenen Stärken und Herausforderungen in anderen. Das schafft Sicherheit, motiviert zusätzlich – und Fortschritte kommen schneller.“


Diesen März, rund um den Internationalen Frauentag, widmet SheForce den ganzen Monat frauenzentrierten Trainingsevents, buchbar auch über Urban Sports Club. Updates gibt’s über Instagram und WhatsApp – perfekt, um die geballte Energie live zu erleben.
Wer hat dich auf deiner sportlichen Reise inspiriert? Kennst du weitere Frauen oder FLINTA*, die etwas in der Sportwelt bewegen? Erzähl uns davon in den Kommentaren.