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Erklimme deinen Mount Everest // Urban Sport of the Week: Felsklettern

Diese Woche reisten unsere Sportentdecker den ganzen weiten Weg nach Cascais, einer Küstenstadt am Rande von Lissabon, um an den rauen Klippen mit Blick auf den Atlantik zu klettern.

Es ist 10 Uhr an einem schönen Junimorgen kurz vor der Küstenstadt Cascais. Das Wasser direkt an der Küste strahlt in einem Azurblau und die Sonne reflektiert blitzend im Wasser. Ich bin mit Onya hier – der mutigen Fotografen, die bereits auf ein halb kenterndes Boot geklettert ist, nur um den perfekten Schnappschuss zu machen. Und heute gehen wir Klettern.

„Du hast es geschafft!“, sagt Francisco, als er sein Auto anhält. Er ist Mitgründer von FY Nature, einem Outdoor Activity Unternehmen, das die Landschaft rund um Lissabon nutzt, um Coasteering, Surfen, Klettern und Bouldern zu unterrichten. Heute wird er uns das Klettern mit Seilen zeigen.

Francisco ist etwa 1,85 m groß, gebräunt, hat blonde Haar eund sieht ein bisschen aus wie Tony Hawk. „Willkommen in Lissabon!“, sagt er und beginnt reichlich Seile, Gurte und Helme aus seinem Kofferraum zu laden. „Das ist Sebastian“, sagt er. „Er wird uns heute helfen.“ Sebastian steigt aus der Beifahrerseite aus. Er hat ein freundliches Gesicht und grinst gutmütig, während er uns die Hände schüttelt. „Keine Sorge. Ich bin Kletterexperte. Ich habe das schon mindestens zweimal gemacht“, sagt er. Mein Lachen verblasst zu einem leichten Wimmern, bis der Witz langsam zu mir durchdringt. „Los geht’s!“, sagen die beiden und Onya und ich folgen ihnen die unebenen Steintreppen hinter zum Boden der Felswand.

Die Aussicht ist atemberaubend. Das Meer hat das gleiche Blau, wie der Morgenhimmel, doch ich konzentriere mich jetzt nicht auf die Landschaft. Stattdessen starre ich auf die steile Felswand, die ich gleich erklimmen werde. Wir klettern ein Stück zum Boden hinunter und Sebastian gibt mir mein Gurtzeug, einen Helm und fängt an, irgendwelche Sachen an mir anzubringen. Sebastian und Francisco müssen bemerken, dass ich etwas blass um die Nasenspitze geworden bin, denn sie stellen mir allerlei Fragen über Urban Sports Club, um mich abzulenken. Es funktioniert jedoch nur für eine Sekunde – bis ich hinaufschaue und ahne, was gleich passieren wird.

Die Klippe ist 20 Meter hoch. Wir stehen auf einer Felsplattform, die uns etwa zehm Meter vom Meer trennt. Salzwasser spritzt mir ins Gesicht, als Wellen gegen die rauen Felsen prallen. Francisco beginnt die Route, die ich gleich klettern werde, zu erklimmen. Er befestigt Seile an Clips, die bereits in die Wand gebohrt wurden. Er gleicht einem Springbock, wie er von Felsen zu Felsen springt. Ich hingegen werde eher die Eleganz eines Gnus haben.

„Bereit?“, fragt Francisco, als er wieder hinunterklettert. Sebastian hakt ein Seil an mein Gurtzeug und klopft auf meinen Helm. „Alles wird gut!“, sagt er, „du schaffst es nach oben“. Er scheint sich dessen sehr sicher zu sein. Eine frische Meeresbrise kühlt mein schwitzendes Gesicht, als ich meine Hände auf den nackten Felsen lege und anfange zu klettern. Jedes Mal, wenn ich mich nach oben bewege, hebt Sebastian das Seil, damit ich nicht auch nur einen Zentimeter fallen kann. Die Morgensonne scheint und erwärmt mein bereits überhitztes Gesicht. Meine Finger schmerzen von den Felsen.

Aus der Ferne sieht es so aus, als gäbe es keine Fingergriffe im Felsen. Aus der Nähe kann ich bestätigen: Es gibt keine Fingergriffe im Felsen. “Das ist ein Aufstieg der Stufe vier.” ruft Sebastian. Ich habe es noch nie über Level drei hinaus versucht, denke ich mir, als meine Hände gegen den schroffen Felsen schlagen.

“Benutze deine Beine, nicht deine Arme!”, schreit Sebastian aus ein paar Metern unter mir. Ich kann spüren, wie er mein Gurtzeug jedes Mal anhebt, wenn ich mich nach oben bewege. Ich komme schon mal über den ersten Felsen. “Jetzt musst du auf die andere Seite der Felswand klettern!” Mir ist übel. Mein Herz schlägt wie wild in meiner Brust. Als ich höher komme, wird der Aufstieg härter. In meinem Kopf schreie und schreie ich – doch Onya sagt mir danach, dass ich völlig still war.

Ich kämpfe darum, einen Griff für meine Hände zu finden, um die Klippenwand zu umgehen. Eine kleine Menschenmenge hat sich mittlerweile unter mir versammelt. Vielleicht können sie sehen, dass ich schon lange in der gleichen Position stecke – sie wollen sehen, ob ich mich jemals wieder bewege oder ob ich jetzt hier einziehe. Eine Frau schreit Ermutigungen von unten. „Du kannst es schaffen!”

 „Danke!” Ich reagiere nur beiläufig und weigere mich, nach unten zu schauen.

Ich atme tief durch und benutze meine Beine, um mich auf die andere Seite der Felswand zu schieben. Aber ich kann mich nicht mehr mit meinen Händen halten. Ich kratze hoffnungslos an der Felswand und schreie dann vor Schreck, als ich den Halt verliere und in den Tod falle.

Oh, es ist in Ordnung. Ich baumle nur in der Luft wie ein Riesenbaby. “Alles ist gut!”, höre ich von unten. Es stimmt. Ich habe überlebt. Okay, weiter geht’s.

Jedes Mal, wenn ich ein Stück aufsteige, hebt mich Sebastian nach oben, also beginne ich, ihn als menschlichen Sessellift zu benutzen. An manchen Stellen habe ich keine Wahl – es gibt buchstäblich nichts, woran ich mich festhalten könnte. Aber jetzt bin ich über die Angst zu Fallen hinweg. Ich benutze meine Beine wie angewiesen und klettere immer höher, von Sebastian gehisst und von Onya und Francisco ermutigt. Meine Finger schmerzen, aber wow! Was für eine Aussicht! Das ist das Leben! Das ist Natur pur! Ich bin offiziell geheilt!

Dann plötzlich: “Das ist es! Du hast es geschafft! Das ist der höchste Punkt!” Ein Felsvorsprung signalisiert, dass ich oben angekommen bin. „Gut gemacht!“, sagen sie. “Halt dich am Seil fest!” Ich packe das Seil so fest, dass meine Knöchel weiß werden und seile mich langsam ab. Ich bin so erleichtert, wieder auf festem Boden zu stehen, dass ich einen Schluchzer unterdrücken muss.

Ich brauche eine Pause vor meinem nächsten Anstieg, also versuchen, Francisco und Sebastian Onya zu überreden, die Route auszuprobieren. Sie trägt Buffalo-Schuhe und ist noch nie zuvor geklettert, aber da sie die mutigste Fotografin der Welt ist, versucht sie es trotzdem. Sie schreit den ganzen Weg und schafft den halben Weg nach oben, bis sie sehr schnell in einem starken irischen Akzent sagt: “LasstmichrunterLasstmichrunterLasstmichrunterLasstmichrunter!”. Niemand kämpft dagegen an und sie seilt sich ab.

Ich klettere nach einer 20-minütigen Pause eine weitere Wand hinauf. Diese ist viel einfacher ­– ich kann es sogar genießen – und frage Francisco, warum ich mit einer so schwierigen Route angefangen habe. “Damit du den Rest des Kletterns genießen kannst!”, sagt er.

Nach unserer Klettertour sitzen Francisco, Sebastian und ich auf einem großen flachen Felsen mit Blick auf das Meer. Ich möchte mehr über FY Nature erfahren. “Ich habe FY-Nature mit zwei Geschäftspartnern, zwei Freunden von mir gegründet”, erzählt Francisco. “Einer von ihnen ist ein Bergsteiger und er brachte das Klettern und das Bergerlebnis ins Team. Ich bin eher der Surfer und habe erst angefangen zu klettern, als ich diese Firma gegründet habe.”

Franciscos liebt an seinem Job am meisten, dass er wirklich abschalten kann. „Wir sind immer online, gucken ständig auf unser Smartphone. Beim Klettern und Surfen ist das nicht möglich und das ist das Gute an der Natur. Es ist sehr entspannend – niemand würde sein Smartphone beim Surfen benutzen. Das wäre dumm. Und das gefällt mir an den Aktivitäten in der Natur am besten: Du kannst ganz im Moment sein.“

Sebastian sagt: “Und das ist auch die Idee des Unternehmens. Es geht darum, die natürliche Welt zu zeigen und die Menschen von der Technik wegzubringen – es geht darum, den Moment zu erleben. Zumindest versuche ich das, wenn ich Surfen oder Klettern unterrichte. Es geht darum, sicherzustellen, dass die Leute es genauso genießen, wie ich es bei meinem ersten Mal getan habe.”

Im Rückblick auf meinen ersten Aufstieg heute dachte ich nur daran, wie ich zum nächsten Felsen komme – mein Kopf war völlig frei von alltäglichen Sorgen.

“FY steht für From Youth or Forever Young”, sagt Francisco. “Als wir jung waren, waren wir in der Natur, wir spielten draußen. Und wenn ich surfe und klettere, ist es, als würde ich in diese Momente zurückkommen.” Er hält eine Sekunde inne und schaut zu den starken Wellen hinaus. “Kennst du die Momente, in denen einfach die Zeit stehen bleibt? Wenn du mit deiner ersten Welle surfst, wird die Zeit mit Sicherheit kurz stehen bleiben. Momente wie diese sind kostbar – du behältst sie für den Rest deines Lebens. Und die Natur macht das möglich.”

Wenn du Outdoor-Sportarten in Lissabon ausprobieren möchten, schau‘ dir die Website von FY Nature an und finde raus, was für USC-Mitglieder möglich ist.

Außerdem hat Urban Sports Club unzählige Kletterpartner in ganz Europa. Wirf einen Blick auf unserer Website, um zu sehen, was alles in deiner Nähe ist.

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