An der Wand der Hoffnung

Es ist gerade mal ein paar Wochen her, da ging Fabian Ludwig noch mit gemischten Gefühlen durch seine Boulderhalle. Es war leer in seiner Bright Site im Südwesten Berlins, so wie es fast jeden Tag seit November 2020 leer gewesen war, als die bislang letzten Gäste vor den verschärften Corona-Restriktionen die Halle verlassen hatten. Monatelang wartete Fabian Ludwig sehnsüchtig darauf, dass die Kletter-Liebhaber zurückkehren, seit Anfang Juni ist es endlich wieder möglich. Nun kehrt mehr und mehr das Leben zurück in seine Bright Site. „Ich bin die ganze Zeit optimistisch geblieben”, erzählt er. „Doch ganz ehrlich: Ich war auch ein bisschen nervös vor der Wiedereröffnung. Das Re-Opening fühlte sich an wie eine komplette Neueröffnung. Doch alles ist gut gegangen und alle waren glücklich.”

Fabian-Ludwig-Kletterwand
©Stefan Haehnel

Der Lockdown und die Ohnmacht

Fabian ist Gründer des Boulder Projects Bright Site und selbst passionierter Kletterer und Boulderer. Mit der Bright Site hat er einen Ort der Begegnung, der Bewegung, der Freude geschaffen. Eigentlich. Denn in Vor-Corona-Zeiten tummelten sich bis zu 500 Kunden pro Tag in der 1.250-Quadratmeter-Halle. Nervenkitzel, Freiheit, Muskelaufbau – all das zog die Menschen in die Bright Site. Die ultimative Urbanisierung des Abenteuers vom Klettern. 

©Stefan Haehnel

Doch als sämtliche Freizeit- und Sportaktivitäten Ende des Jahres 2020 geschlossen wurden, geriet das Gleichgewicht aus den Fugen. Bei Fabian selbst und auch bei seinen Gästen. „Viele haben sich bei mir in der Corona-Zeit gemeldet und gesagt, dass ihnen die Bright Site fehle, der Ausgleich, der Sport”, sagt Fabian. „Es war ja für uns auch eine Art Ohnmacht. Wir haben nichts falsch gemacht, aber es gab diese Entscheidung, die wir akzeptieren mussten. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Denn Klettern ist mein Leben. Und als wir schließen mussten, brach schon ein wichtiger Teil meines Lebens weg.”

Besonderer Nervenkitzel

Fabian fing relativ spät mit dem Klettern an, mit 16 Jahren, in einer Outdoor AG seiner Schule. Zuerst wollte er sich nur an den Sport gewöhnen, weil eine Schulreise anstand, in der geklettert werden sollte. Dann war er plötzlich drei- bis viermal pro Woche in der Halle, mit einem Freund funktionierte er den Schuppen seiner Eltern zu einer Werkstatt für Handgriffe um. Das Klettern zog ihn spät, dafür aber umso intensiver in seinen Bann. 

Fabian Ludwig Kletterwand_2

„Am Anfang war ich fasziniert von der Auseinandersetzung mit dem Respekt, der mit dem Klettern kommt: Da ist eine Wand von bis zu 30 Metern und ein Seil, das dein Leben festhält. Der Nervenkitzel ist besonders”, erzählt Fabian. „Aber das besonders tolle am Klettern ist der Zusammenhalt: Man wird sehr schnell Teil der Community. Es gibt sehr angenehme Leute jeden Alters. Ich habe mich von Beginn an sehr wohl gefühlt.”

©Stefan Haehnel

Auch nach Auslandsreisen und verschiedenen beruflichen Aktivitäten im Kletterbereich verliert Fabian nie den Traum, sich mit einer eigenen Halle selbstständig zu machen – und entschließt sich schließlich 2014, zusammen mit einem Partner, die Bright Site ins Leben zu rufen. Eine Erfolgsgeschichte, auf die 2019 mit dem Basement Boulder Studio sogar eine zweite Location in Berlin folgte.

Die Nachwirkungen der Pandemie

Auch während der Pandemie stand der Betrieb, obwohl die Gäste fehlten, nie ganz still. Routenbauer und Trainer wurden weitergebildet, auch Fabian selbst war regelmäßig an der Boulderwand, um neue Griffe und Schwierigkeitsgrade auszuprobieren. „Das klingt nach einer Kleinigkeit, bedeutet jedoch viel Arbeit um das Angebot zu verbessern”, erzählt er. „Dass ich selbst an der Wand klettern konnte, war super. Deshalb hat mir der Sport auch gar nicht so sehr gefehlt, das drumherum schon sehr. Vor allem die Interaktion mit anderen Menschen.” 

Fabian hofft, dass sich das in der Post-Corona-Ära wieder ändern wird. Er sagt: „Das wird eine spannende Zeit – für die Gesellschaft.” Social Distancing über nun fast anderthalb Jahre habe seine Spuren hinterlassen, findet er. „Ich persönlich habe noch etwas Angst und glaube, dass wir einige Zeit benötigen werden, bis das Miteinander wieder normal sein wird. Ich merke es selbst an mir im Supermarkt: Wenn wir Leute zu nah kommen, fühle ich mich unwohl.”

Neue Rolle für den Sport

Andererseits bieten Krisen auch immer Chancen. Fabian weiß das, er hofft darauf, dass sich die Lerneffekte aus dieser Krise schnell einstellen. „Wenn es uns gelingt, zu realisieren, dass es soziale Distanz gibt und wir diese aktiv abbauen müssen, dann werden wir alle wieder zufriedener sein und vielleicht auch bewusster leben. Meine Hoffnung ist, dass wir durch die Krise wieder mehr zu schätzen lernen, was vor Corona vielleicht nur allzu normal für uns war.”

©Stefan Haehnel

Sport kann dabei als Katalysator wirken. Als ein Vehikel, das diesen Prozess zurück ins Normal beschleunigt. „Den Menschen wurde über lange Zeit vieles genommen, was früher ein fester Teil ihres Lebens war. Ich bin überzeugt, dass sie Sport und Freizeitaktivitäten nun viel mehr als ein Privileg sehen und noch mehr Freude daran haben werden”, sagt Fabian. „Ich freue mich, jetzt wieder Menschen an der Wand zu sehen. Corona hat die vergangenen anderthalb Jahre extrem erschwert. Das reicht dann jetzt aber auch.” 

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