Lerne, wie man aufsteht und kämpft

“Stell dir vor, ein Mann packt dich und zieht dich in einen Kleinbus”, sagt Coach Phil. “Du hast eine Familie, ein Kind – das darf einfach nicht passieren. Es geht nicht um Technik, es geht um die Denkweise und den Zugang zu deinem mentalen Zustand. Denn nur so kannst du kämpfen und wirst überleben. Ich kann dir in 60 Minuten beibringen, wie das geht.”

Es ist ein dunkler, grauer Nachmittag und mein Coach Phil und ich sitzen in seinem Studio im Berliner Bergmannkiez. Coach Phil hat breite Schultern, ist groß, gut gebaut und kräftig. Er trägt einen braunen Fleecepulli, Trainingshose, Sneaker und einen Haarschnitt wie beim militär. Er wirkt leicht einschüchternd, bis er anfängt zu sprechen. Seine natürliche Wärme und Freundlichkeit erhellen sein Gesicht und plötzlich ist er so einschüchternd wie ein Teddybär.

Heute nehme ich an meinem ersten Selbstverteidigungskurs teil. Phils Studio ist clean: Es besitzt nicht viel Equipment außer ein paar Kickpolstern, einem Schutzhelm, Stühlen, einem Spiegel und einer Schutzausrüstung. Bevor der Kurs beginnt, sprechen wir über seinen Background als Trainer und er berichtet davon, wie man den Überlebensinstinkt, der in uns allen steckt, gewinnbringend nutzen kann.

Coach Phil leitet Focus Flow, eine Reihe von Kursen, in denen die Teilnehmer lernen, wie sie sich in realen Situationen verteidigen können. Im Alter von 13 Jahren wurde Phil auf eine Schule geschickt, um als einer der deutschen Boxmeister zu trainieren. Schon in jungen Jahren gewann er mehrere Meisterschaften in Süddeutschland und den Titel des Stuttgarter Meisters.

Mit Anfang 20 lies Phil das Wettkampfboxen hinter sich, um sich weiterzubilden, doch trainierte weiterhin im Bereich Kampfsport. Immer mit dem Ziel, als Trainer zu wachsen und sich mehr Wissen anzueignen. “Ich möchte den Menschen das Beste geben, damit sie sich in ihrem Leben sicherer und geborgener fühlen und durch Selbstschutz und Kampfsport weiterentwickeln”, sagt er.

Um dies zu erreichen, trifft Phil Profis, besucht Seminare und arbeitet mit den Besten der Besten zusammen, um auf diese Weise so viel Wissen wie möglich an seine Kunden weiterzugeben. Und dieses Wissen und die Leidenschaft fließen quasi aus ihm heraus, auch wenn er Dinge sagt, wie “Stell dir vor, deine Mutter wird von zwei Drogensüchtigen ausgeraubt.”

Phil beschreibt ziemlich detailliert ein Szenario, in dem meine Mutter ernsthaft verletzt werden könnte. Er gibt mir zwei Optionen: Entweder ich verteidige sie oder ich lasse zu, dass sie schlimm verletzt werden könnte. “Auf diese Weise wirst du den richtigen mentalen Zustand zur Selbstverteidigung erreichen”, sagt Phil. Ich wende mich an Liz, die Fotografin. “Krass, oder?” Sie nickt zustimmend.

“Den Überlebensinstinkt verlieren wir oft in der Gesellschaft etwas”, sagt Phil. “Immer lächeln wir und gehen Kompromisse ein, wir versuchen einen Konflikt zu scheuen, doch ein Teil unseres genetischen Überlebensinstinktes ist es, uns zu schützen. Entweder wir rennen, kämpfen oder erstarren. Wir sind überkonditioniert, Probleme zu umgehen und höflich zu sein. Ich versuche den Diamanten auf Hochglanz zu polieren, der in unserem Instinkt liegt, damit die Leute weniger Angst vor dem Monster haben, das in uns sitzt.”

Phil erklärt, dass es bei der Selbstverteidigung zwar darum geht, sich vor Feinden zu schützen, aber auch darum, etwas über sich selbst zu lernen. “Wir lernen grob, direkt und kompromisslos zu sein”, sagt Phil. “Aber das geht über das tägliche Leben hinaus. Du lernst den Konflikt in dir selbst zu verstehen – du entwickelst dich und wirst dadurch ein besserer Mensch.”

Während wir uns unterhalten, kommen die anderen Kursteilnehmer in den Raum. Phil grüßt jeden mit Namen und es wird dabei deutlich, dass ihm jeder einzelne von ihnen sehr am Herzen liegt.

“Ich werde dir nichts allzu Kompliziertes beibringen”, sagt Phil. “Nichts Choreografiertes – denn in einer realen Situation bist du voller Adrenalin. Du wirst Angst um dein Leben haben. Also beginnen wir den Unterricht damit, dass du dich auf den Boden legst und versuchst, dich hinzusetzen ohne dabei deine Hände dabei zu benutzen.”

Damit habe ich nicht gerechnet. Aber wir fünf tun, was er sagt, legen uns auf den Betonboden und stehen wieder auf, ohne unsere Hände dabei zu benutzen. Es ist herausfordernd und tut weh, ständig gegen den Boden zu stoßen. “Ich bringe dir bei, wie man das Aufprallen verringert”, erklärt Phil.

Heute lernen wir, wie wir uns verteidigen können, wenn jemand auf der Straße versucht, uns zu packen. Er demonstriert, wie wir unsere Ellenbogen über den Kopf strecken, als wären wir Nashörner oder Büffel. So treffen die Ellenbogen den Hals oder das Gesicht des Angreifers. Wir teilen uns immer zu zweit auf, greifen uns immer abwechselnd an und schützen uns mit roten Polstern vor den Ellenbogenschlägen.

Phil zeigt uns, wie wir auf Angreifer zugehen müssen, damit der Aufprall unserer Ellenbogen noch stärker wird und er weist uns an, dabei einen lauten Grunzlaut zu machen. “Das wird dir mehr Kraft geben”, sagt Phil. Ich versuche mein Bestes, um aggressiv zu grunzen, aber es kommt eher nur ein Sprudeln heraus. Phil steht neben mir, macht eine Reihe von Kriegsschreien und versucht mich dazu zubringen, dasselbe zu tun. Aber ich klinge einfach, wie eine Ziege in Not – Phil gibt schließlich auf. 

Dann zeigt uns Phil, wie wir unseren Angreifer mit dem Knie gezielt in den Schritt treten, ihn dann auf den Boden drücken und dort halten können. Diese Übung ist perfekt, um Stress rauszulassen. Ich genieße es besonders, alles zu benutzen, was Phil mir beigebracht hat, um ihn auf dem Boden zu werfen, ihn stark auf den Kopf zu schlagen und ihn dann im Schwitzkasten zu halten.

“Ich bringe den Menschen bei, wie man überlebt, nicht wie man andere verprügelt.” Ich frage Phil, warum die Leute zu seinen Kursen kommen. Er denkt für einen Moment nach. “Die Menschen wollen Zugang zu dem Urmenschen in sich. Und wenn wenn wir das in einer kontrollierten Umgebung realisieren können, fühlen wir uns gut. Es kann sehr befreiend sein, auf etwas einzuschlagen.”

Es stimmt. Warum versuchst du es nicht mal selbst?

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