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Berlin Strength: Das härteste Fitnessstudio der Stadt // Urban Sport of the Week

Läuft man in Berlin nahe der Warschauer Straße über das mit Graffiti besprühte RAW-Gelände, befindet man sich inmitten von Clubs und neon beleuchteten Bars. Aber sobald man an dem riesigen Schriftzug des SUICIDE CIRCUS vorbei durch eine verstaubte und mit Zigarettenstummeln übersäte Umgebung läuft, findet man eine Location, in der es um Technik statt Techno geht und man Hanteln anstelle von Bierflaschen findet.

Dieses, von Touristen geprägte Zentrum des Nachtlebens in Friedrichshain, ist der letzte Ort, an dem man ein weltberühmtes Fitnessstudio für olympisches Gewichtheben erwartet. Doch mit seinem Graffiti, das aus einem gigantischen Affen der eine Langhantel hebt, besteht, weiß Berlin Strength genau, wie man sich dieser Gegend anpasst.

Wenn du am Affen vorbei durch die schwarzen Doppeltüren gehst, ertönt augenblicklich das ohrenbetäubende Geräusch von Langhanteln, die auf den Boden knallen. Erschöpfte Athleten, Männer und Frauen, die schreien und vor Anstrengung stöhnen, während sie unglaublich schwere Gewichte hoch über ihre Köpfe stemmen. An diesem sonnigen Donnerstagnachmittag gehen die Athleten an ihre Grenzen und sie strotzen nur so vor Ehrgeiz und Entschlossenheit.

Das Konzept von Berlin Strength ist in Deutschland einzigartig. Es ist Powerlifting, Gewichtheben und funktionelles Training für Frauen und Männer – jedoch besonders für Frauen. Shirts mit dem Berlin Strength-Logo hängen neben der Rezeption und Stapel von Proteinpulver säumen die Wände. Doch alle, die hier trainieren, haben etwas gemeinsam, das erst mal ein wenig ungewöhnlich klingt: Sie leben vegan.

Richtig gelesen. Berlin Strength ist ein veganes, in erster Linie für Frauen konzipiertes Krafttraining-Gym. Eine Marktlücke – das ist es auch, was es so besonders macht.

Meine heutige Trainerin ist Sassi, die das Fitnessstudio zusammen mit drei anderen Partnern leitet. Sassi ist zierlich, extrem stark und voller Energie. Von der Art und Weise, wie sie über das Fitnessstudio spricht, ist klar, dass es ihre absolute Leidenschaft ist. Heute zeigt sie mir, wie man schwere Gewichte richtig hebt und seinen Körper dabei sicher und schonend an seine Grenzen bringt.

„Wir wärmen uns auf, indem wir diesen Ball auf den Boden werfen – damit wird dein Körper darauf vorbereitet, dass es gleich mit ein wenig Sport losgeht“, sagt Sassi. Sie reicht mir einen 12 Kilo-schweren Medizinball, den ich über meinen Kopf hebe und dann mit voller Wucht auf den Boden werfe. „Ich hasse Kardio“, sagt Sassi. „Ich hasse es, zu schwitzen und kann das Gefühl nicht leiden, außer Atem zu sein. Das macht mich wütend – ich werde richtig wütend, wenn ich auf einem Laufband bin.”

Ich bin überrascht, von einer Leistungssportlerin zu hören, dass sie Kardio hasst. In meiner Vorstellung bringe ich „Fitness“ immer nur mit Menschen in Verbindung, die tausende Burpees machen und 5 km in 10 Minuten sprinten. Aber Sassi ist anders. Sie macht nie Kardio – sie hebt nur schwere Gewichte.

 „Die Leute denken oft, dass Powerlifting gefährlich oder unsicher ist, aber das stimmt nicht.“ Sassi holt so ganz nebenbei ein ziemlich einschüchterndes Gerät heraus. „Das ist eine Trap-Bar“, sagt sie. „Es ist eine der sichersten Möglichkeiten, das Heben von Gewichten zu lernen.“

Die Trap-Bar ist so konzipiert, dass sie den ganzen Körper mit den Bewegungen von Squats und Deadlifts trainiert. Sassi zeigt mir, wie ich hinein gehe und meine Beine stützen kann, indem ich meine Core- und Beinmuskulatur benutze. Meinen Rücken halte ich in einer Linie und kann so meine Beine auch unter großen Lasten gerade halten. Die Bewegung ist langsam, aber ich kann buchstäblich fühlen, wie jeder Muskel in meinem Körper arbeitet. Es ist ein erstaunliches Gefühl – als würde ich die Effizienz meines Körpers komplett nutzen.

 „Sehr gut! Du bist stark!“, sagt Sassi. „Lass uns mehr Gewicht drauf machen.“ Wir fügen auf jeder Seite 10 kg der Stange hinzu und ich versuche es erneut. Es wird schwerer. „Sollen wir noch mehr Gewicht draufpacken?“, fragt Sassi mit einem Funkeln in den Augen. Es kommen nochmal 20 kg dazu. Ich trete in die Trap-Bar, atme tief durch, mache einen Squat und drücke mich mit all meiner Kraft nach oben.

„Mehr?“ Sassi genießt das sichtlich. Und ich auch – es ist ein klasse Gefühl, derart schwere Gewichte heben zu können. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, dass ich dazu überhaupt in der Lage bin. Sassi ermutigt mich, immer mehr Gewichte hinzuzufügen, bin ich die 100 kg-Marke erreichte. “Konzentrier dich!“, sagt Sassi. Ich atme tief durch, konzentriere mich so gut es geht, greife nach der Stange, schließe die Augen und versuche, die Gewichte hochzuheben. Aber nichts bewegt sich. Ich habe mein Maximum erreicht. „Jetzt kennst du das Maximalgewicht“, sagt Sassi. „Und gut gemacht! Das war unglaublich für deinen ersten Versuch.“ Sassis Unterstützung ist großartig und ihre Begeisterung ansteckend. Jetzt verstehe ich, wie Gewichtheben süchtig machen kann.

Sassis Reise zum Gewichtheben begann vor acht Jahren. „Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, kam die Motivation daher, dass ich mit meinem Körper nicht so ganz zufrieden war – so wie das bei den meisten Frauen der Fall ist. Ich wollte abnehmen und hatte eine bestimmte Vorstellung davon, wie ich aussehen wollte. Doch mit dem jahrelangen Trainieren hat sich das alles verändert. Jetzt stelle ich mich niemals auf eine Waage und denke auch nicht über das Essen nach. Ich esse nur, auf was ich Lust habe.“

Auch das ist neu für mich. Ich ging immer davon aus, dass man als Leistungssportler seine Ernährung streng kontrollieren muss. „Ich tracke das nicht, ich will nicht irgendwelchen Statistiken folgen – außer wenn es um Gewichte geht“, erzählt Sassi.

Wir gehen direkt weiter zur nächsten Übung: Sled Pushes. Sassi und ich legen Gewichte auf einen dreieckigen Schlitten, um ihn von der einen zur anderen Seite des Studios zu schieben. „Pass auf Lenny auf“, warnt mich Sassi. Sie spricht von einem sehr flauschigen grauen Hund, der gemütlich zusammengerollt am Ende der Schlittenfahrt liegt. „er wird sich unter keinen Umständen bewegen“, sagt Sassi. „Noch nicht mal für einen 100-Kilo-Schlitten.“

Sassi zeigt mir, wie man den Schlitten anschiebt. Ich spanne meinen ganzen Körper an, strecke die Arme durch und lege mich mit meinem ganzen Gewicht dagegen. Ich drücke – so schnell ich kann – bis ich nur wenige Zentimeter von Lenny entfernt bin. Dann nehme ich die Seile, schlinge sie um meine Handgelenke und ziehe den Schlitten wieder zurück. Am Ende dieser 30 Sekunden dauernden Übung fühle ich mich so erschöpft, als wäre ich gerade mehrere Kilometer gerannt. Es ist unglaublich – diese Trainingsform ist einfach so effizient.

 „Ich finde es toll, stark zu sein, weil ich so viel mit meinem Körper machen kann“, sagt Sassi. „Am Anfang wollte ich unbedingt einen Liegestütz können. Ich habe so lange daraufhin gearbeitet. Jetzt schaffe ich, wenn ich in Form bin, einen Liegestütz mit 20 kg Gewicht um meine Taille. Es ist verrückt, was man schaffen kann, wenn man nur hart daran arbeitet.“

Sich stark zu fühlen, stärkt alle – besonders die Frauen. Berlin Strength bietet einen Raum, in dem sich starke Frauen gegenseitig trainieren und supporten können. „Es war sehr schön, dich heute hier Gewichte heben zu sehen“, sagt Sassi, als ich nach einem Sled Push Luft kurz verschnaufe. „Du hast es sichtbar genossen. Ich denke, Frauen sind oft überrascht, wie stark sie wirklich sind und wie stark sie sein können.“ Sassi erzählt mir, wie sich das auch auf andere Aspekte des Lebens auswirkt. „Wenn du eine 100 kg schwere Trap-Bar heben kannst, denk nur mal daran, wozu du sonst noch fähig bist.“

Die Philosophie von Berlin Strength ist einfach – es geht um Gleichberechtigung für alle. Für Frauen, Männer, LGBTQ+ – egal welcher Herkunft. „Du kannst hier im Gym sehen, was unsere Mission ist und woran wir bei den Menschen glauben. Das gilt auch für unseren Umgang mit Tieren. Das ist unsere Weltauffassung.“

Als Sassi und ich die schweren Gewichte, die wir heute verwendet haben, zurückgebracht haben, fühle ich mich total inspiriert. Den Ort, den Sassi und ihre Kollegen hier geschaffen haben, ist viel mehr als nur ein Studio. Es ist ein sicherer Platz für jeden, der – ungeachtet seiner Herkunft – dorthin kommt, um zu trainieren und das Beste aus sich rauszuholen. Alles was du mitbringen musst, ist die Bereitschaft, daran arbeiten zu wollen.

Wenn du bei Berlin Strenth trainieren möchtest, schaue dir die Webseite an, um weitere Infos zu erhalten.

Und der Urban Sports Club hat unzählige Functional Fitness-Partner in ganz Europa. Schau‘ einfach auf unserer Webseite vorbei, um die Studios in deiner Nähe herauszufinden.

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