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Mach’ das Unmögliche möglich // Urban Sport of the Week

In der nordöstlichsten Ecke Nürnbergs, am Rande des Erlenstegener Waldes, befindet sich eine Boulderhalle, die Bouldern auf ein neues Level bringt.

Das Café Kraft wurde 2011 von Reto Faulenbach und Hannes Huch gegründet. Es ist Nürnbergs erste Boulderhalle und die Lage ist wirklich top: Zum Frankenjura, einem der weltweit renommiertesten und anspruchsvollen Outdoor-Klettergebiete, sind es nur 30 Minuten.

Im Café Kraft trainieren berühmte Kletterer aus aller Welt und bringen ihr Können dann ins Freie auf die Routen des Frankenjura. Tatsächlich ist das Café Kraft so angesehen, dass seine Trainer und Kletterpartner zahlreiche Bücher über Bouldern, Klettern und die Psychologie hinter dem Sport veröffentlicht haben.

Das erste, was dir auffällt, wenn du die Boulderhalle betrittst, ist das große Bild von zwei Typen, die sich ein High-Five geben. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, heißt es auf der Webseite, „und das obige Bild mit Wolfgang Güllich und Kurt Albert drückt genau das aus, was wir allen unseren Kunden im Café gerne anbieten wollen: Partnerschaft, Spaß, gemütliche Gastfreundschaft, Sportlichkeit und neue Wege abseits der üblichen Pfade.“

Als nächstes wird dir die gastfreundliche und nette Atmosphäre ins Auge fallen. Der Geruch von frischem Kaffee und Croissants liegt in der Luft und die Mitarbeiter hinter der Rezeption lächeln zur Begrüßung, wenn du reinkommst. Freunde unterhalten sich auf den Vintage-Sofas und obwohl es 11 Uhr ist und die Halle gerade erst geöffnet hat, erfüllt ein energetisches Stimmengewirr den Raum.

Mein heutiger Bouldertrainer ist Ralf, der Kletter- und gleichzeitig Marketingexperte des Café Krafts ist. Ralf klettert, seitdem er denken kann. „Ich bin zwischen den Felsen aufgewachsen“, sagt er. Er ist etwa 1,80 m groß, entspannt, hat braune Augen und ist wie viele Kletterer sofort warmherzig und offen. Wir sitzen an einem Couchtisch, essen Kekse und schlürfen einen leckeren Cappuccino, während Ralf die Geschichte erzählt, die hinter dieser weltberühmten Boulderhalle steckt.

„Erst vor ein paar Monaten haben wir unseren achten Geburtstag gefeiert“, sagt Ralf. „Es war eine riesengroße Party.“ Seit der Eröffnung im Jahr 2011 hat das Fitnessstudio eine starke Gemeinschaft von Kletterern aufgebaut. Viele von ihnen kommen, um mit den Weltklasse-Profis, die hier arbeiten, zu trainieren. „Viele Profikletterer kommen hier her“, erklärt Ralf. „Wir haben hier zwei sehr berühmte Trainer, die das Konzept des Klettertrainings gegründet haben. Sie haben Bücher darüber geschrieben, die dazu führten, dass wir in der ganzen Welt bekannt wurden.“

Für Ralf und viele andere ist Bouldern mehr als nur eine Freizeitaktivität. „Bouldern ist ein Lifestyle-Sport, wie Skaten oder Surfen in den 90er Jahren. Der Boulder-Lebensstil ist ein aktiver Lebensstil – wir wollen raus und die Natur in vollen Zügen genießen. Wir respektieren und verstehen die Natur.“ Bouldern ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden – die Menschen sehnen sich nach Naturverbundenheit und wollen respektvoll mit ihrer Umgebung umgehen.

Das Café Kraft ist ein Zentrum für Boulderinnovationen, das die globale Klettergemeinde anführt und die Grenzen von Training und Technik erweitert. Ralf erklärt, dass Bouldern viel mehr ist als Klettern – es hat auch eine psychologische Wirkung. „Man muss positiv sein und sich vorstellen, ganz oben zu stehen. Es gibt eine Menge Philosophie hinter dem Klettern, die man auch in seinen Alltag und sein Leben integrieren kann.“

Heute muss ich in diese positive Denkweise kommen – denn Ralf wird mich durch eine Boulder-Session führen und ich habe richtig schlimme Höhenangst. Nachdem wir unsere Kletterschuhe angezogen haben, führt uns Ralf durch die weitläufige Boulderhalle. Sie ist einzigartig, da eine zweite Ebene über den Boulderwänden sozusagen als Terrasse gebaut ist. Das bedeutet, dass du auf und über die Terrasse klettern und über die Seite wieder hinunterklettern kannst, was es viel weniger gefährlich macht. Denn manchmal kann das Klettern nach unten viel schwieriger sein, als das Hinaufklettern.

Ich werde aber mit beidem zu kämpfen haben. Die Wände hier sind sehr variantenreich. Einige sind gerade, manche gebogen und andere haben Überhänge. Es gibt verschiedene Level der Routen: Grün ist am einfachsten, gelb ist etwas schwieriger, dann kommt violett und so weiter (ich habe nicht wirklich nicht vor, weiter als violett zu gehen).

Ralf wählt zunächst eine gelbe Route für mich, an einer Wand mit leichtem Überhang. Er zeigt mir erst einmal, wie ich anfange und platziert Hände und Füße so, dass er gerade so weg vom Boden ist. Er legt los und klettert hinauf, als würde er eine Treppe hinaufsteigen. „Easy!“ Sage ich, als er leicht wie eine Feder auf den Boden zurückfällt. Ich fange an zu klettern und finde es relativ einfach, bis ich beim leichten Überhang ankomme. Ich erstarre. Ralf ruft motivierende Worte von unten und sagt mir, wo ich meine Füße hinstellen soll. Was er nicht weiß: Ich kann rechts und links nicht unterscheiden. Deshalb mache ich immer wieder Fehler. Irgendwann bekam ich zu viel Angst und kletterte die Wand wieder hinunter. „nächstes Mal“, sagt Ralf, etwas ratlos darüber, warum ich seine Anweisungen so verwirrend fand.

Die zweite Wand, die Ralf vorschlägt, ist weniger geneigt. Er zeigt, wie es geht und ich folge dem Beispiel – und diesmal klettere ich mit Ralfs Führung über die Wand. Der bekommt einen richtigen Adrenalinschub und ich freue mich riesig, „Probieren wir noch eine“, sage ich, während ich nach unten klettere. „Ruh‘ dich zuerst aus“, sagt er lachend. Jetzt bin ich angefixt.

„Lasst uns eine schwierigere Route ausprobieren“, sagt Ralf. „Bei dieser Wand dreht sich alles um Gleichgewicht und nicht um Kraft.“ Ralf führt mich zu einer violetten Route, die seitlich statt nach oben verläuft. Er demonstriert, wie ich meinen Körper ganz nah an der Wand halten muss. Er hält die winzigen Griffe gekonnt fest, während er bis zum Ende balanciert. „Jetzt versuchst du es“, sagt er. Ich komme etwa bis zur Hälfte, bis ich zu einem kleinen Griff komme, den ich kaum halten kann. „Mach Platz für beide Füße und verteile dein Gewicht gleichmäßig“, sagt Ralf. Ich versuche es und scheitere.

Ich versuche es noch einige Male, aber schaffe es einfach nicht. „Okay, lass uns eine andere Route wählen“, sagt Ralf. Jedesmal, wenn ich eine Route ausprobiere, hilft Ralf mir mit vielen Anweisungen und Ermutigungen. Und immer wenn ich dann den richtigen Zug mache, ist er so begeistert, als wäre er derjenige, der die Route erfolgreich gemeistert hat.

Ralf weiß nichts davon, dass es drei Dinge gibt, die mich daran hindern, ein guter Kletterer zu sein:

1. Ich kann rechts nicht von links unterscheiden.

2. Ich habe Höhenangst.

3. (und das ist meiner Meinung nach das Offensichtlichste) Ich bin wirklich klein.

Ralf führt mich zu einer lilafarbenen Route, die sich über zwei Wände erstreckt. Er zeigt den Aufstieg und ich kann nur kopfschüttelnd zusehen. Es gibt keine Chance, absolut keine Chance, dass ich das auch schaffe. Ralfs Beine waren komplett ausgetreckt, und er ist 1,80 m groß. Ich bin 1,65 m groß.

„Versuch es einfach“, sagt Ralf. Ich habe Angst, seine Gefühle zu verletzen, wenn ich diese unmögliche Route nicht zumindest versuchen würde. Also lege ich meine Hände auf die beiden lilafarbenen Griffe und beginne zu klettern. Wie vermutet, stecke ich auf halbem Weg fest. Um zum nächsten Griff zu gelangen, muss mein Bein eine unmögliche Distanz erreichen – ich muss springen, um dorthin zu kommen. „Halt dich mit der linken Hand fest und streck dich!“, sagt Ralf. Ich bleibe wie angewurzelt in meiner Position. „Ich kann das nicht!“, schreie ich nach unten. „Wenn du fällst, wirst du dir nicht wehtun, das verspreche ich dir!“, sagt er und positioniert sich so, dass er mich fangen kann. Ich stehe vor zwei Möglichkeiten: Entweder ich klettere hinunter und enttäusche Ralf oder ich springe und riskiere Ralf zu erdrücken. Ich weiß, dass Ralfs große Enttäuschung das Schlimmere wäre, also atme ich tief durch und springe.

Unglaublich und auf wundersame Weise schaffe ich es bis zu dem Griff. Ralf freut sich unglaublich und schreit triumphierend. Ich klettere weiter hinauf und über die Spitze. Meine Beine zittern und ich bin wirklich stolz, dass ich es geschafft habe – aber die meiste Freude verspüre ich, Ralf so erfreut zu sehen. Als ich wieder zurück auf dem Boden bin, gibt er mir ein High-Five. „Sehr gut gemacht! Ich wusste, dass du es schaffst!“

Danach bin ich etwas müde und meine Hände sind wund. Wir versuchen uns an einer Wand mit einem starken Überhang. Ich schaffe es ein Stück nach oben, falle dann aber wieder auf meinen Hintern. Um ehrlich zu sein: Nach all der Aufregung bin ich ganz schön erschöpft.

Ich wische mir die Kreide von den Händen, ziehe meine Kletterschuhe aus und schaue zu, wie Ralf eine Felswand nur mit seinen Fingerspitzen erklimmt. Und ich weiß, dass ich heute so viel erreicht habe, einfach weil Ralf an mich geglaubt hat – viel mehr, als ich an mich selbst geglaubt habe. Es gibt wirklich nichts Motivierenderes als das.

Wenn du Bouldern ausprobieren möchtest, hat Urban Sports Club unzählige Partner in ganz Europa. Schau’ auch auf der Webseite von Café Kraft vorbei, um mehr über die erstaunlichen Job dieser Leute zu erfahren.

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