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Karate – eine Kunst, die dein Leben verändert – Urban Sport of the Week

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Beim Karate geht es nicht darum, der Beste zu sein, sondern einen Sieg über sich selbst zu erringen. Schließlich sind die schwersten Gegner unsere eigenen Probleme, unsere Unsicherheiten, unsere Vorurteile. Wenn wir es schaffen, diese zu überwinden, sind wir die wahren Gewinner.”

– David Walker, amerikanischer Autor.

 

Ich habe eine Weile gebraucht, um die Sportschule Lee zu finden. Wie zahlreiche eigenständige Studios in Berlin, liegt es versteckt in einem schier endlosen Labyrinth an Hinterhöfen. Es ist dunkel, so dass ich beinahe das Schild im japanischen Design verpasst hätte, dass 4 Stockwerke nach oben zeigt.

Als ich etwas außer Atem oben ankomme, fühle ich mich gleich am richtigen Ort. Der große Raum ist voll mit Kampfsport-Utensilien. Zwei Aquarien mit orientalischen Fischen blubbern im Hintergrund und japanische Seidentücher sowie Behänge bedecken den größten Teil der Wände. Auf den Fenstersimsen stehen jede Menge Auszeichnungen und Pokale von den weltbesten Trainern, die hier unterrichten, und ihren Schülern. Als ich das Studio betrete, neigt sich eine Kung Fu-Klasse gerade ihrem Ende zu. Viel Ruhe und gegenseitiger Respekt liegen hier in der Luft. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ich mich in einem renommierten Kampfkunststudio befinde.

Heute werde ich meine erste Karatestunde ausprobieren. Mein Lehrerin ist Ilaria Schiavo, eine Karate Sensei, die über 10 Jahre lang im Nationalteam Italiens gekämpft hat. Sie ist klein, hat dunkle Haare und trägt ihr Karate-Gi mit einem schwarzen Gürtel. Sie hat eine sanfte Art zu sprechen, aber führt ihre Klasse mit ihrer starken Autorität, dass sofort klar wird: Sie hat sehr viel Erfahrung in Karate.

Wir beginnen die Stunde mit einem Ganzkörper-Warmup. Ich bin etwas besorgt, denn als ich vor ca. einem Jahr brasilianisches Jiu Jitsu ausprobiert habe, befand ich mich die ganze Stunde hindurch entweder wild fuchtelnd auf dem Boden oder eingeklemmt in irgendeiner Achsel. Heute sollte ich jedoch lernen, dass es beim Karate um viel mehr geht, als seinen Gegner zu bekämpfen.

Nach einem herausfordernden Warmup mit Kniebeugen, Sprints und Burpees (Ilaria besteht sicher nur aus Muskeln), finden wir uns immer zu zweit zusammen und beginnen mit Dreh-Kicks. Mein Trainingspartner hält sich ein Pad an ihr Knie. Ich drehe mich, um nach den Pad zu kicken und falle beinahe darüber. Ilaria erklärt, dass es nur auf die Ausrichtung des Körpers ankommt, damit man ihn als Waffe einsetzen kann. Ich versuchte denselben Kick gegen das Pad nochmal und verliere wieder total mein Gleichgewicht. “Es braucht Übung”, sagt Ilaria.

Karate ist ein faszinierender Sport. Die meisten glauben, dass vor mehr als tausend Jahren ein buddhistischer Mönch den Kampfsport nach China gebracht hat. Zu dieser Zeit sind die Japaner in China einmarschiert und haben alle Waffen abgeschafft. Das bedeutet, die einzige Waffe, die sie noch hatten, um sich gegen die Chinesen zu verteidigen, war ihr Körpereinsatz. Karate hat ihnen gelehrt, wie sie ihren Körper mit maximalen Effekt einsetzen können. Tatsächlich bedeutet “Karate” im Japanischen “Leere Hände”.

Die zweite Übung unseres Trainings besteht daraus, unseren Partner dreimal zu kicken – zuerst das Schienbein, dann die Hüfte und dann hoch auf die Schulter. Die große Flexibilität und das gute Portion an Gleichgewicht, die man braucht, um die Basis zu beherrschen, versetzen mich in Erstaunen. Man muss Gleichgewicht, Kraft, Kondition und Flexibilität beherrschen. Und das ist erst die Spitze des Eisberges. Makotokai ist ein bestimmter Karatestil, den Ilaria gemeinsam mit ihrem Kollegen Andre unterrichtet. Diese Form des Karate wurde 2004 von Paolo Bolaffio ins Leben gerufen. Dafür brachte er seine 40 Jahre Praxiserfahrung in Kampfkunstpraktiken mit ein und Ilaria berichtet “Es bedient sich den Grundformen verschiedener Kampfkunsttechniken aus dem Orient wie Baguazhan und Tai Chi.”

Als wir tiefer in die Bewegungen eintauchen, erklären Andre und Ilaria, was hinter diesen bestimmten Bewegungen steht. Das Training fühlt sich wie ein vertiefender Anatomiekurs an. Bei einer Übung sagt Ilaria, dass wir uns “wie ein nasser Sack” hinstellen sollten. Das macht es eurem Gegner schwer, euch mit einem Schlag umzuhauen.” Ich befolge ihre Anweisung und stelle fest, dass es wirklich extrem schwer ist, mich aus der Balance zu bringen, wenn ich meinen Körper auf eine bestimmte Art und Weise positioniere.

Andre praktiziert diese Karateform jetzt schon seit 8 Jahren. Er liebt den Makotokai-Stil, da dieser Technik und die Details erklärt und vertieft. “Natürlich kann man jemanden kicken und schlagen wie man möchte und verursacht damit Schmerzen. Aber diese Form geht auf die Details ein, wie man alle Möglichkeiten seines Körpers ausnutzt. Es ist faszinierend, denn man lernt eine Menge über seinen eigenen Körper und generell über den menschlichen Körper. Zu was du allem in der Lage bist und was du alles aushalten kannst.”

Jedesmal, wenn ich mit Kampfkunst-Spezialisten spreche, erzählen sie viel über den Kampf mit “dem Ego.” Oft ist der herausfordernste Part, mit den eigenen Erwartungen, seiner Faulheit und Motivation klar zu kommen. “Es geht definitiv um unsere Egos”, stimmt mir Ilaria zu. “Die Kampfkünste sind sehr transparent. Alles dreht sich um dein Training und was du gemacht hast. Du kannst nicht lügen. Wenn du nicht trainierst, wirst du besiegt. Du hast keine Chance gegen jemanden, der mehr als du trainiert, mit mehr Entschlossenheit und Disziplin.”

Also gibt es sowas wie ein Naturtalent beim Karate nicht? “Doch, natürlich”, sagt Andre “aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Danach musst du lernen und üben.”

Während des Trainings kann ich mich langsam besser konzentrieren und stelle nach und nach Verbesserungen in meinen Bewegungsabläufen fest. Nachdem ich einen Kick um die 20 mal wiederholt habe, kann ich ein erkennen wie sich meine Körperhaltung verbessert.

Ilarias Karatekarriere begann mit 11 Jahren in ihrer Heimat Italien. “Obwohl wir noch Kinder waren, fand ich es toll, immer besser zu werden und meine Fortschritt zu sehen. Also begann ich an Turnieren teilzunehmen und mir damit immer Ziele zu setzen. Dann begann ich auf internationalen Niveau zu kämpfen.”

Ilaria war zehn Jahre lang Teil des italienischen Nationalteams und des internationalen Teams. “Wir hatten Wettbewerbe in Norwegen, Slowenien und die sogenannte Karate-Weltmeisterschaft in Italien, bei der wir den zweiten Platz belegten. In dieser Zeit lernte ich meine Grenzen kennen, es hat mich motiviert, weiterzumachen und mich kontinuierlich zu verbessern.”

Nach alle den Jahren Training auf Weltklasse-Level und internationalen Wettbewerben möchte Ilaria ihr Wissen durch Unterrichten mit anderen teilen. “Ich denke, dass ich nach meinen 20 Jahren Praxiserfahrung so einiges zu erzählen habe”, sagt sie. “Ich kann dafür sorgen, dass sich jemand in die Sportart verliebt. Mein Ziel ist es, meine Leidenschaft zu teilen und andere Leute dazu ermutigen, Karate zu genießen.”

Nach fast zwei Jahren Karate habe ich einen Funken davon mitbekommen, wie viel es noch über diesen Sport zu lernen gibt. Deine Leidenschaft für Karate zu finden, ist ein wahres Geschenk. Natürlich hält es dich fit, aber du lernst dich dabei auch selbst kennen. Eine Möglichkeit, deine inneren Dämonen zu bekämpfen und dein Kampf mit dir selbst. Um die Karatekunst zu beherrschen, musst du dein eigenes Leben kontrollieren und lernen, andere zu respektieren. Es ist mehr als nur ein Sport oder ein Hobby: Es ist eine Lebenseinstellung.

Und nach 20 Jahren, frage ich Ilaria, warst du niemals von dem Sport gelangweilt? “Nein”, sagt sie. “Es gibt ständig etwas neues zu lernen.”

 

Wenn du Karate ausprobieren möchtest, Urban Sports Club hat jede Menge Kampfkunst-Partner in Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal.

Für nähere Informationen zu ihren Trainingsangeboten schaue auf der Website von Makotakai vorbei und folge ihnen auf Instagram.

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