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DJs, Lagerhallen und Freestyle: Willkommen in der Berliner Hula-Hoop-Szene // Urban Sport of the Week

Alice x Hula Hooping_Photo by Savannah van der Niet-14

Scarlett Flamingo hat in ihrem Urlaub auf Costa Rica zum ersten Mal ihre Freude am Hula-Hoop entdeckt. „Ich sah jemanden mit einem Hula-Hoop-Reifen und erinnerte mich daran, wie sehr ich es als Kind geliebt habe. Ich versuchte es und konnte es erstaunlicherweise immer noch. Also kaufte ich mir zu Hause einen Reifen und begann in meinem Schlafzimmer zu üben.“ Das war im Jahr 2005 und seitdem ist Scarlett immer tiefer in die Welt des Hula-Hoopings eingetaucht: Von Aufführungen, über Unterricht geben bis hin zur Selbstständigkeit.

Hula-Hoop bringt viel Freude – für den, der es macht, und auch für die Zuschauer. „Einen Hula-Hoop zu besitzen ist so ähnlich wie einen süßen Hund zu haben“, sagt Scarlett. „Jeder möchte mit dir ins Gespräch. Und wenn sie auch einen Hula-Hoop haben, werden sie es dir erzählen.“

Scarlett ist zierlich und voller Energie. Ihr lockiges, braunes Haar hat sie im 20er-Jahre-Stil zusammengebunden. Sie trägt ein helles, gemustertes und zusammengeknotetes Hemd sowie bunte Leggings. Mit ihren schimmernden, braunen Augen und ihrem leuchtend roten Lippenstift strahlt sie einfach gute Laune aus. Scarlett lacht, als sie sich daran erinnert, wie ihre Freundin sie ermutigt hat, mit Shows anzufangen. „Eines Tages hatte ich meinen Hula-Hoop-Reifen auf einer Bowlingbahn dabei. Und meine Freundin sagt: ‚Das muss die Welt sehen.‘“

Wir sitzen im MotionLab.Berlin, einem Co-Workingspace, in dem Scarlett jeden Donnerstagabend ihren Hula Hoop-Trick-Kurs veranstaltet. Das MotionLab.Berlin ist ein gigantisches, umgebautes Lager im Berliner Stadtteil Treptow. 3D-Modelle von Riesenhänden befinden sich neben einem Doppeldeckerbus, in dem viele Menschen bei einem Kaffee Geschäftsgespräche führen. Auf riesigen Holzpaneelen wird Kunst ausgestellt und neben der großen Küche steht das Markenzeichen aller Co-Workingspaces: ein Kickertisch. Farbe und Kreativität tropft hier sozusagen von den Wänden – und genau deshalb ist das der perfekte Ort für Scarletts Kurs.

Ihre Hoop Plus Fit-Kurse, Events und Workshops finden direkt im Herzen Berlins statt. Sie bindet gerne Musiker und Produzenten mit ein, die sie dann live begleiten. Hula Hoop ist in den englischsprachigen Ländern (Großbritannien, USA & Australien) sehr beliebt, befindet sich im restlichen Europa allerdings immer noch auf dem Vormarsch. Scarlett wuchs in London auf und hat dort schnell eine Hula-Hoop-Community gefunden, in der jede Woche dutzende Kurse und Workshops zur Auswahl standen. „Ich habe mich den The Mjorettes angeschlossen, einer Hula-Hoop-Truppe in London“, erklärt sie. „Dann nahm ich das Hula-Hoop ernster und fing an, mehr Auftritte zu machen.“ Damals arbeitete Scarlett als Möbeldesignerin. „Ich habe immer gespürt, dass ein Teil von mir auftreten und aktiv sein wollte. Dann gab eine Phase, in der ich sehr frustriert war. Also bin ich von London nach Berlin umgezogen.“

Scarlett ist nun sehr aktiv dabei, eine Hula-Hoop-Community hier in Deutschland aufzubauen. „In London gibt es so viele Künstler und Lehrer, dass der Markt fast schon ein wenig überlaufen ist. Als ich hier nach Berlin kam, war es so angenehm, weil es nur ein paar Leute in der Szene gab und wir alle Freunde geworden sind.“ Scarletts Kurse und ihre organisierten „Hula Jams“ haben maßgeblich zum Aufbau einer Community beigetragen. „Der Jam dauert etwa drei Stunden, also lernst du dabei andere Leute kennen und findest Freunde.“

Ich äußere meine Zweifel daran, dass ich fünf Sekunden lang den Hula-Hoop-Reifen oben halten kann. Geschweige denn drei Stunden. „Keine Sorge, wir werden dafür sorgen, dass du am Ende sogar eine kleine Choreografie machen kannst.“ Da lehnst du dich weit aus dem Fenster Scarlett, aber mal sehen.

Scarlett verteit Hula Hoop-Reifen an alle in dem Kurs, die sofort anfangen, sie leicht um die Taille zu schwingen. „Je schwerer der Reifen, desto einfacher ist es.“ Das sagt mir Scarlett genau dann, als ich meinen Reifen um meine Taille schwinge und er sofort kläglich wieder zu Boden fällt.

„Gib dem Reifen mehr Schwung und bewege deine Taille hin und her“, sagt Scarlett. Ich versuche es noch einmal und schwinge den Reifen fast aggressiv um meine Hüften. Ich schaukele wild hin und her, aber ohne Erfolg – der Reifen fällt einfach nach ca. drei Sekunden wieder auf den Boden. Inzwischen ist der Rest des Kurses schon in anderen Sphären und ihre Reifen berühren kaum ihre Hüften, während sie mühelos in der Luft um sie herum sausen.

„Probiere den mal.“ Scarlett gibt mir einen anderen Reifen, der etwa das dreifache wiegt, wie der davor. „Es könnte wehtun, aber dieser Reifen wird länger oben bleiben.“

Ich trete in den schweren, grauen Reifen und drehe ihn um meine Taille. Es fühlt ich an, als würde ich von einer Bande kleiner Kinder in die Rippen geschlagen werden – aber bleibt länger oben. Ich schaffe es ganze dreimal, bevor ich wieder zu dem leichteren Reifen wechseln muss. Gut, dass ich weiß, wie es sich anfühlt, den Reifen in der Luft zu halten, auch wenn ich mir womöglich alle Rippen dabei gebrochen habe.

Als nächstes bringt uns Scarlett eine kleine Sequenz bei. Sie schaltet eine coole Playlist ein, bei der die Songs minütlich wechseln. Mit jedem Songwechsel ändern wir die Richtung, in die unser Reifen sich dreht. „Wenn du den Reifen immer nur in eine Richtung drehst, können sich auf der einen Seite mehr Muskeln ausbilden“, schreibt Scarlett in ihrem Hula-Hoop-Workout-Guide. „Mit der Zeit kann das dann zu Rückenproblemen führen. Deshalb ist es super wichtig, beide Seiten gleichmäßig zu trainieren. Wenn du deine schwächere Richtung trainierst, hältst du dich nicht nur mehr in Balance, sondern verbesserst gleichzeitig auch deutlich deine dominante Richtung.“

Als der Kurs weitergeht, bemerke ich eine deutliche Verbesserung. Der Reifen bleibt länger oben und ich habe mehr Kondition. Scarlett zeigt uns, wie man den Reifen und Daumen und Zeigefinder dreht, ihn dann vor seinem Körper schwingt und wie bei einem Springseil durch ihn hindurchspringt. Die Idee dahinter: Am Ende dreht sich der Reifen um einen Arm. Ich mache irgendetwas falsch, denn mein Reifen fliegt durch die Luft – knapp vorbei an Scarletts Gesicht. Dennoch bleibt sie während des ganzen Kurses motivierend und geduldig. Sie ist einfach eine Top-Trainerin.

Besonders mein Gesicht leidet unter meinen Amateur-Hula-Hoop-Fähigkeiten sehr. Bei unzähligen Gelegenheiten unterschätze ich meine Hula-Arm-Koordiantion indem der Reifen mit voller Kraft gegen meine Stirn katapultiert wird und alle Anwesenden weinen – ich vor Schmerzen und die anderen vor Lachen.

Am Ende des Unterrichts bin ich richtig erschöpft. Schweiß tropft über meinen Rücken und meine Arme schmerzen davon, dass ich sie so lange ausgestreckt halten musste. Aber ich fühle mich glücklich und bin so aufgeregt, als hätte ich den Nachmittag damit verbracht, auf einer Wiese Räder zu schlagen. Doch trotz des ganzen Chaos’ habe ich mich irgendwie mit allen in der Klasse angefreundet.

Mit diesen Kursen sind Scarlett und ihre Hula-Hoop-Kollegen auf einer Mission: Dich durch das Medium des Hula-Hoops bewegen. Es ist eine wunderbare Mission und – wenn dir ein paar blaue Flecken an den Rippen nichts ausmachen – eine tolles Erlebnis, das ich sehr gerne weiterempfehle.

Wenn du auch mal Hula Hoop ausprobieren möchtest, findest du unter Hoop Plus Fit eine vollständige Liste der Kurse und Workshops. Scarlett verwaltet auch den Hoop Plus Fit YouTube-Kanal, mit dem du die Hula-Hoop-Basics ganz einfach auch zu Hause lernen kannst.

Und schau’ einfach auf unserer Webseite vorbei, und entdecke Hula Hoop-Kurse in deiner Nähe.

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