Female Empowerment im Sport

Erfolgreiche Sportlerinnen als Vorbilder für Mädchen und junge Frauen sind mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Mädchen und Frauen, die in ihrer Freizeit Sport treiben, aus Spaß an der Bewegung oder einfach, um fit und gesund zu bleiben, sind ein prägendes Bild in der Gesellschaft.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Kombination „Frauen und Sport“ undenkbar war: Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, 1896 in Athen, fanden noch komplett ohne weibliche Beteiligung statt. Erstmals nahmen Frauen 1900 bei den Olympischen Spielen in Paris in den Sportarten Golf und Tennis teil. Wenig später kamen Eiskunstlauf und Schwimmen dazu, Turnen und Leichtathletik allerdings erst 1928. Dem war ein harter Kampf der Sportlerinnen mit dem rein männlich besetzten olympischen Komitee voraus gegangen.

Anlässlich des 110. Internationalen Frauentags am 8. März, dem Tag an dem sich Frauen für ihre Rechte, für Solidarität und Gerechtigkeit, für Frieden und weltweite Achtung von Menschen und Nationen einsetzen, erzählen wir die Geschichten von 5 Frauen, die den Weg zu Gleichberechtigung und Chancengleichheit im Sport geebnet haben. Weil Frauenrechte auch im Sport hart erkämpft werden mussten, waren sie es, die durch ihre sportlichen Leistungen selbst Geschichte geschrieben haben.

Caster Semenya

Caster Semenya hat in ihrer Laufkarriere viele Titel gesammelt: zweimalige Olympiasiegerin, zweimalige Weltmeisterin, Siegerin bei den Commonwealth Games, Afrikaspielen und den Afrikameisterschaften. Sie ist die Königin der Mittelstrecke.

Sie hat aber auch eine Menge anderer Titel bekommen: „Die Gejagte“, „Die Verfolgte“, „Die aus der Hölle kam“. Warum? Nachdem die Ausnahmeathletin 2019 als 18-Jährige bei der Weltmeisterschaft in Berlin auftauchte und aus dem Nichts Gold über 800 Meter gewann, wartet die Weltpresse bei der anschließenden Pressekonferenz neugierig auf Semenya und wollte wissen, wer diese, zu dem Zeitpunkt vielen noch unbekannte, junge Frau denn sei. 

Statt Semenya tauchte der Generalsekretär des Weltverbands IAAF auf und äußerte Zweifel, „ob diese Lady eine Frau ist“. Es sei nicht eindeutig, ob die Südafrikanerin dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zuzuordnen sei. Als Gründe wurden u.a. ihre tiefe Stimme und das maskuline Aussehen genannt.

Tatsächlich hat Semenya einen höheren Testosteronspiegel als andere Frauen. Ihr Blutspiegel an männlichen Hormonen ist durch ihre natürliche Produktion erhöht. Dies wird als Hyperandrogenismus bezeichnet.

Seit Jahren versucht der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) Semenya in einer juristischen Auseinandersetzung von den Wettkämpfen auszuschließen – oder sie zumindest zu zwingen, ihre Leistungsfähigkeit zu verringern. Das jüngste Urteil des Internationalen Sportgerichtshof vom 01.05.2019, gibt dem Verband Recht. Semenya müsse jetzt Medikamente nehmen, die ihren Testosteronspiegel senken, um weiter über ihre Paradestrecke 800 Meter antreten zu dürfen.

Auch wenn diese Schlacht vorerst verloren zu sein scheint, will Caster Semenya nicht aufhören, dafür zu kämpfen, in Zukunft wieder ohne den Einfluss von Medikamenten starten zu dürfen. Sie nutzt die mediale Aufmerksamkeit um ihre Person, um sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen (LGBT-Rechte) im Sport einzusetzen. 

Sarah Ourahmoune

Quelle: Marie Lopez Vivanco – Sarah Ourahmoune im Boxer Inside

Für Boxfans ist Sarah Ourahmoune eine hartnäckige Athletin, die nie aufgibt. Sie ist eine Frau, die nach einem Karriereknick, einer Auszeit und der Geburt ihres ersten Kindes in ihren Sport zurückkehrt und sich bis zur Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio hochboxt.

Ourahmounes Weg zum Boxsport begann über Taekwondo. Weil die Traningsstätte des lokalen Clubs durch ein Feuer zerstört worden war, besuchte sie aus reiner Neugier die ansässige Boxhalle. Sie hatte das Glück, auf einen Trainer zu treffen, der genau wusste, wie er ihr das Boxen näherbringen konnte. 

Weil in Frankreich bis 1998 Boxwettkämpfe für Frauen gesetzlich verboten waren, absolvierte Ourahmoune ihren ersten offiziellen Kampf erst 1999. Mit 16 Jahren wurde sie Mitglied der ersten französischen Frauenmannschaft im Boxen und erhielt die Startberechtigung für Kämpfe im Ausland. Schon als sie ihren ersten Titel gewonnen hatte, bemerkte sie, dass das Boxen zu etwas Großem für sie werden konnte.

Seitdem blickt Ourahmoune auf eine erfolgreiche Karriere zurück: drei Jahre in Folge Europameisterin, 2008 Weltmeisterin und 2011 Gewinnerin der Silbermedaille bei den europäischen Meisterschaften mit dem Höhepunkt der olympischen Silbermedaille 2016.

Heute steigt Ourahmoune zwar nicht mehr selbst in den Ring, doch sie kämpft weiter – für Inklusion und Gleichstellung im Boxsport.

2011 gründete sie die Organisation Boxer Inside, unter deren Namen sie Boxkurse für geistig behinderte Menschen und für Frauen (inklusive Kinderbetreuung) gibt. Sie nutzt ihren Ruf als die am höchsten ausgezeichnete Boxerin Frankreichs im Kampf für Geschlechtergleichstellung in allen Sportarten und möchte als Sprecherin der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris sicherstellen, dass auch sozial benachteiligte Franzosen berücksichtigt werden.

Es gibt zwar immer noch viel zu tun im Kampf gegen die allgemeine Diskriminierung von Frauen im Sport, doch das Boxen gibt Sarah Ourahmoune Kraft

Serena Williams

Die US-Amerikanerin Serena Williams gilt als erfolgreichste Spielerin im Tennis. Sie konnte bislang 23 Grand-Slam-Titel im Einzel, 14 im Doppel und 2 im Mixed holen. Zusammen mit ihrer Schwester, Venus Williams, die ebenfalls eine sehr erfolgreiche Tennisspielerin ist, revolutionierte sie das Frauentennis.

Serena Williams machte oft Jagd auf die großen Titel. Das bewahrt sie jedoch nicht davor, dass auch die internationale Presse oft Jagd auf sie machte.

Es war John McEnroe, der dreimalige Wimbledonsieger, der 2017 in einer Radiosendung Serena Williams zum Stargast der amerikanischen Frauenbewegung machte. Mit seiner Aussage, Williams sei die beste Spielerin der Geschichte, aber auf der Männer-Tour wäre sie bestenfalls die Nummer 700, löste er eine heftige Debatte über die Gleichstellung von Frauen und Männern im Tennis aus. 

Was war Williams Reaktion darauf? Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wies sie McEnroes Seitenhieb deutlich zurück: „Lieber John, ich verehre und respektiere Dich, aber bitte verzichte auf solche Statements, die nicht auf Fakten basieren.“

2018 kehrte Serena Williams, nach der Geburt ihrer ersten Tochter, wieder zum Profisport zurück und das mit einer ganz besonderen Botschaft: „An alle Frauen da draußen: Ich wünsche euch einen guten Frauentag. „Ich war so aufgeregt, in dieser Nacht zu spielen“, sagte Williams nach ihrem Comeback auf dem Tennis-Court.

Durch ihre Schwangerschafts- und Babypause verlor Serena Williams wertvolle Punkte auf der Weltrangliste und tauchte seit über 20 Jahren gar nicht mehr auf der Liste der Besten auf. Unfair, könnte man meinen. Der Weltverband WTA ließ eine Diskussion zu, wie mit Schwangerschaften im Tennissport fairer umgegangen werden könnte – für mehr Chancengleichheit.

Seitdem ist es zurückkehrenden Müttern erlaubt, den Status des „Special Rankings“ bis zu drei Jahre nach der Geburt ihres Kindes in Anspruch zu nehmen. Bei Turnieren, bei denen sie vor ihrer Schwangerschaft gesetzt gewesen wären, träfen sie demnach in der ersten Runde auf eine ungesetzte Gegnerin. 

Billie Jean King

Quelle: CSU Archives/Everett Collection/Picture Alliance – Deutschlandfunkkultur.de

Eine andere Tennisspielerin hat sich auf den „Battle of the Sexes“ (zu deutsch: Kampf der Geschlechter) eingelassen. Die US-Amerikaner Billie Jean King zählte mit über 120 Turniere in den Jahren zwischen 1959 und 1983 nicht nur zu den besten Tennisspielerinnen ihrer Zeit, sie zeigte auch dem früheren Wimbledon-Sieger Bobby Riggs, dass Frauen Männern nicht nur auf dem Spielfeld gewachsen sind.

In dem legendären Tennisspiel von 1973, das als Battle of the Sexes in die Geschichte einging, gelang es der damaligen Nummer Eins im Frauentennis, den 55-jährigen Riggs zu besiegen und damit auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Spitzensport aufmerksam zu machen.

King gewann das Spiel in Texas in drei Sätzen. Sie selbst brauchte nach dem Spiel mit Riggs noch einige Jahre, bis sie sich 1981 als eine der ersten prominenten Sportlerinnen als homosexuell outete.

Auch abseits des Platzes kämpft sie heute noch dafür, dass Frauen für ihre Leistungen gewürdigt werden. Mit über 80 Jahren ist sie kein bisschen müde, für gleiche Rechte und soziale Akzeptanz einzustehen. 

Vergangenes  Jahr meldete sich eine Amerikanerin im sozialen Netzwerk mit einer kleinen Geschichte, die sehr schön widerspiegelt, wie Billie Jean King denkt: Als sie vor Jahren bei einem Prominenten-Turnier von einem Vater um ein Autogramm für die Tochter gebeten wurde, sah sie die Kleine an und sagte: „Ich unterschreibe nur, wenn du mich selbst darum bittest; du kannst dich doch nicht für den Rest deines Lebens auf die Männer verlassen.“

Kathrine Switzer

Quelle: Getty Images

Kathrine Switzer, 1947 in Deutschland geboren, hat Geschichte geschrieben. Im Jahr 1967 gelang es ihr als erster Frau, sich beim Boston Marathon anzumelden und die inzwischen berühmte Startnummer 261 zu ergattern. Sie nutze für die Anmeldung ihre Initialen K.V.

Vor über 50 Jahren war es Frauen noch verboten, Marathons zu laufen. Damals vertraten Sportfunktionäre geschlossen die Auffassung, Frauen seien zu einem Marathon körperlich nicht imstande. Ihnen könne „beim Laufen die Gebärmutter herausfallen“ – von solchen Mythen berichtet Switzer. 

Das Bild, wie der Renndirektor versuchte, ihr die Startnummer während des Marathons zu entreißen und sie mit Gewalt von der Strecke drängen, ging um die ganze Welt. Switzer ließ sich nicht aufhalten: Sie lief ins Ziel und ging damit als erste Frau, die einen offiziellen Marathon beendet hat, in die Geschichte ein. Es dauerte noch fünf weitere Jahre, bis Frauen erstmals offiziell in Boston bei einem Marathon zugelassen wurden.

Auch heute noch ist Kathrines Enthusiasmus für den Laufsport und das Female Empowerment ungebrochen. Sie hat vier Bücher geschrieben, ist über 40 Marathons gelaufen und hat 2015 das Netzwerk 261-Fearless gegründet – mit dem Ziel, Frauen durch das Laufen zu verbinden und stark zu machen.

Die Geschichte der Gleichstellung im Sport ist eine Geschichte von vieler kleiner Schritte, mit denen Frauen unaufhaltsam von den Spielfeldrändern auf die Spielfelder traten, weil sie Sportplätze und Turnhallen nicht länger nur Männern überlassen wollten. Doch es gibt noch einiges zu tun. #strongertogether 

Wir als Urban Sports Club setzen uns für Chancengleichheit ein und kooperieren mit vielen starken Sport-Partnerinnen. Erfahre hier mehr darüber.

Dein Feedback

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du möchtest mehr zum Firmensport-Angebot von Urban Sports Club erfahren?