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Bachata: Der dominikanische Tanz, der in Berlin boomt

Tanzpaar tanzt zwischen anderen Paaren Bachata

Jede Woche testen unsere Sportentdecker eine neue Aktivität und berichten darüber, was dich dabei erwartet. Diese Woche stand Bachata – einer der beliebtesten Gesellschaftstänze der Welt – auf dem Programm und wie sich herausgestellt hat, auch einer der kompliziertesten.

Nichts lässt mich nervöser werden, als einen neuen Paartanz auszuprobieren, denn dann kann ich mich nicht mehr verstecken und mein Tanzpartner muss mit meinem tänzerisch nicht vorhandenem Talent klar komme. Doch es hilft nichts: Als ich an einem dunklen Mittwochabend auf dem Weg zum Havanna Club bin, sage ich mir innerlich, dass ich mein Bestes geben werde.

Havanna ist eher ein Labyrinth als ein Nachtclub: Ich gehe einige steile Stufen hinunter in einen riesigen Tiki-Raum mit einer pink beleuchteten Tanzfläche. Von hier aus geht es weiter in einen anderen Raum, noch einen und dann noch einen. Ich gehe eine palmengesäumte Treppe hinauf in einen anderen, kleineren Raum mit einem Barockspiegel an der Rückseite und einer riesigen Discokugel, die von der Decke hängt. Hier werde ich also Bachata lernen.

Jeden Mittwoch-, Freitag- und Samstagabend verwandelt sich das Havanna von einem pulsierenden Pop-Nachtclub in ein Tanzstudio für Gesellschaftstanz. In vielen Räumen finden dann Salsa-, Bachata- und Merenguekurse statt sowie freitags eine Latin Dance Party, um das Wochenende einzuläuten.

Über Bachata

Bevor der die Tanzstunde startet, spreche ich mit unserem Lehrer Majid Parse. Er ist gut gebaut, hat harte Gesichtszüge und glattes Haar. “Ich habe von 2009 bis 2013 in Sydney gelebt”, sagt er. “Ich begann mit meiner Freundin Salsa zu tanzen und probierte auch Bachata aus – was mir viel besser gefiel. Es ist ein entspannter und langsamer Tanz und erinnert mich an Tänze aus meinem Heimatland Iran.”

Majid sagt, dass es in Berlin eine große Bachata-Community gibt, was aber nicht immer so war. “Vor sieben Jahren wollte so gut wie niemand Bachata tanzen”, sagt er. “Alle interessierten sich nur für Salsa. Doch in den letzten vier Jahren wollten immer mehr Menschen Bachata tanzen.”

Majid glaubt, dass der Tanz aufgrund seines Stils immer populärer wurde. “Ich glaube die Menschen mögen die Sinnlichkeit des Tanzes – mit Bachata kann man wirklich loslassen”, sagt er. Majid sagt, dass jeder Bachata ausprobieren kann, man braucht nur Lernbereitschaft und eine positive Einstellung.

Heute nehmen wir an einem offenen Kurs teil, was bedeutet, dass alle Kompetenzstufen willkommen sind. Ich frage Majid, ob Bachata für Anfänger einfach zu lernen ist. “Manchmal.” Er klingt wenig überzeugend. Ich bin kein absoluter Beginner im Paartanz. Für diesen Blog habe ich schon Zouk, Kizomba und Tango ausprobiert – aber das bedeutet nicht, dass ich auch automatisch den Dreh bei Bachata raus habe.

Warm-up

Majis springt auf, um den Kurs zu beginnen. Der Raum hat sich mit Männern und Frauen jeden Alters gefüllt. Ein DJ steht in der Nähe der Tanzfläche. Er beginnt eine langsame, lateinamerikanische Tanzmelodie zu spielen, während Majid sich auf die eine Seite des Raumes begibt, um mit dem Warm-up zu beginnen.

Wir starten mit einem Grundschritt: zwei Schritte zur Seite, Tap, zwei Schritte zur Seite, Tap. Aber schon bald führt Majis einige Drehungen und Sprünge ein, die mich von der Koordination völlig überfordern. In der einen Minute machen alle den Grundschritt und in der nächsten haben sich schon alle gedreht sowie einen kleinen Sternsprung gemacht. Ich stolpere immer wieder und entscheide mich schließlich dafür, nur den Grundschritt zu machen, bis das Warm-up vorbei ist.

Die Bachata-Technik

Wir sind etwa 40 Personen im Raum und bilden einen Kreis um Majid und seine Tanzpartnerin. “Okay, sucht euch einen Partner!”, sagt Majid. Ich stehe neben einem freundlich aussehenden Mann. Mir platzt heraus, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben Bachata tanze – so weiß er gleich, worauf er sich einlässt. Majid und seine Partnerin zeigen uns eine kurze Schrittabfolge. Sie treten nach rechts, drehen sich, gehen dann vor und drehen sich wieder zurück. Sie sind so aufeinander eingespielt, als wären sie eine Person. Ihre Bewegungen sehen unglaublich leichtfüßig aus.

Ich drehe mich zu meinem Partner um und wir versuchen, die Schritte nachzumachen. Es ist neu für mich, mich führen zu lassen. Ich kämpfe dagegen an, die Führung übernehmen zu wollen und lasse mich auf den Rhythmus meines Partners ein. Wir treten vor, drehen uns und mein Partner bringt meinen Arm hinter meinem Rücken, greift ihn und wir drehen uns wieder. Es ist zwar ziemlich schwindelerregend, aber durch so klare Impulse gelingt mir die Choreographie nach nur wenigen Versuchen. “Großartig!”, denke ich mir. “Ich habe den Dreh raus!”

Oder auch nicht: Denn Majid und seine Partnerin zeigen uns weitere Tanzschritte – diesmal mit mehr Taps, Armbewegungen und Drehungen als ich zählen kann. Ich bewege mich von einem Partner zum nächsten und versuche mein Bestes, mit den Bewegungen die Schritte zu halten. Doch ich bringe sie immer wieder durcheinander. Jeder Partner, mit dem ich tanze, ist sehr geduldig. Dennoch fühle mich leicht gestresst. Ich brauche eine Auszeit.
Savanna, die Fotografin, flüstert mir ein paar aufmunternde Worte zu: “Du machst das klasse!” Meine Kollegin Natalia zeigt mir, wie ich die Bewegungen besser ausführen kann. Wir üben ein paar mal zusammen und danach fühle ich mich gleich viel besser und sicherer. Also steige ich wieder mit ein.

Langsam kann ich mich auf Bachata einlassen und beginne die Freude daran zu entdecken. Die Freude an der einzigartigen Verbindung, die man mit jedem Partner hat, dem Spaß an der Musik und dem Miteinander innerhalb der Gemeinschaft. Am Ende des Kurses schwitze ich, wahrscheinlich wegen einer Mischung aus Tanzen und meiner Nervosität davor.

Zum Schluss tanzen Majid und seine Partnerin die gesamte Choreographie noch einmal vor, damit wir sie filmen und üben können. Anschließend tanzen sie ihren eigenen freien Bachata-Tanz. Es sieht so unfassbar gut aus!

“Bereit für die Tanzparty?”, fragt Majid. “Ähm…. vielleicht nächstes Mal”, antworte ich. Ich hatte wirklich einen magischen Abend, aber eine Bachata-Session reicht mir dann für heute.

Am nächsten Tag hatte ich keinen Muskelkater, doch ich merkte, dass ich leichtfüßiger unterwegs war. Meine Stimmung war besser und das kalte Januarwetter konnte mir nichts mehr anhaben!

Wenn du Bachata ausprobieren möchtest, schau dir die vielen Tanz-Partnerstandorte von Urban Sports Club in Europa an. Wirf einen Blick auf unsere Webseite, um zu sehen, was in deiner Nähe ist.

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